ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in Zahlen

ZAHLEN | DATEN | FAKTEN

Situation auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene

Nachhaltigkeit beschreibt ein zukunfts­orientiertes Denken und Handeln, bei dem wirtschaftliche, umweltbezogene und soziale Aspekte ausgewogen berücksichtigt werden. Sie wird maßgeblich durch den Einsatz von Technik beeinflusst. Die Situation und Entwicklung von Nachhaltigkeit lassen sich durch Kennzahlen in den Dimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik beschreiben. Im Faktenblatt wird die Nachhaltig­keits­situation auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene mit ausgewählten Kennzahlen beleuchtet. Zudem wird ein Management­konzept für eine Verbesserung von Nachhaltigkeit dargestellt.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Cover

Jetzt lesen!

Faktenblatt | 8 Seiten | PDF | 790 kB

Grundlagen

Der Begriff »Nachhaltigkeit« hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Er beschreibt dort ein Denken und Handeln, dass die Lebens­situation heutiger Generationen verbessert, ohne die Zukunfts­perspektiven folgender Generationen zu verschlechtern.

Durch die Enquete-Kommission wurde der Begriff Nachhaltigkeit mit einem Drei-Säulen-Modell beschrieben. Auf gesell­schaftlicher (Makro-)Ebene beschreibt »Nachhaltigkeit« danach eine Politik, deren Ziel die gleichwertige und gleich­berechtigte Sicher­stellung und Verbesserung von ökologischer, ökonomischer und sozialer Leistungs­fähigkeit ist [3, 18].

Die Nachhaltigkeit wird maßgeblich durch die verfügbaren und eingesetzten Technologien beeinflusst. Neue Technologien (regenerative Energie­erzeugung, Elektroantriebe oder künstliche Intelligenz etc.) bilden aktuell einen wesentlichen Hoffnungs­träger, um die Nachhaltigkeit gesellschaftlich zu verbessern [3]. Insofern bildet Technik eine entscheidende Einflussgröße und Basis für die drei Nachhaltig­keits­säulen (Abbildung 1).

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 1

Abbildung 1: Nachhaltigkeit auf gesellschaftlicher (Makro-)Ebene

Auf betrieblicher (Mikro-)Ebene steht der Begriff »Nachhaltigkeit« dafür, die Unternehmens­situation bereits heute zu verbessern, ohne die langfristigen Zukunfts­perspektiven für Unternehmen, Inhaber, Beschäftigte, Kunden und Lieferanten zu verschlechtern.

Die Nachhaltigkeit zeigt sich bei Unternehmen in den definierten Zielen und der Gestaltung bzw. den Eigenschaften von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmens­prozessen (Abbildung 2).

Die Gestaltung von Produkten und Prozessen hat Auswirkung auf die eingesetzte Technik (Produkt- und Prozesstechnik), Umwelt (Emissionen, Abfälle), den wirtschaftlichen Erfolg (Vermögen, Gewinne) sowie das Wohlergehen von Kunden, Beschäftigten, Lieferanten und Inhabern.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 2

Abbildung 2: Nachhaltigkeit auf betrieblicher (Mikro-)Ebene

Notwendigkeit, Ziele und Nutzen

Die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit auf gesamt­wirtschaftlicher Ebene ergibt sich aus den möglichen Folgen für Gesellschaften bei fehlender Beachtung des Nachhaltig­keits­prinzips. Diese zeigen sich beispielsweise im Klimawandel, in Wirtschafts­krisen oder in sozialen Unruhen. Durch Anwendung des Nachhaltig­keits­prinzips sollen diese negativen Ereignisse vermieden bzw. deren Ausmaß verringert werden. Dementsprechend lassen sich als Ziele und Nutzen von Nachhaltigkeit auf gesamt­wirtschaft­licher bzw. gesellschaftlicher Ebene nennen:

  • Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlage und natürlichen Ressourcen,
  • Sicherung und Verbesserung des Wohlstandes,
  • Erhaltung des sozialen Friedens und der Gesundheit.

Auf betrieblicher Ebene ergibt sich die Notwendigkeit für nachhaltiges Wirtschaften aus den Anforderungen von Politik, Gesellschaft, Gesetzgebung, Mitarbeitern und Kunden an ein Unternehmen. Unternehmen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, gefährden dadurch ihre wirtschaftliche Existenz und ihr Fortbestehen. Auf betrieblicher Ebene lassen sich als Ziele und Nutzen eines nachhaltigen Wirtschaftens nennen:

  • Erhaltung der betrieblichen Existenzgrundlage und Ressourcen,
  • Sicherung und Verbesserung des wirtschaftlichen Betriebserfolges,
  • Wohlergehen und Zufriedenheit von Kunden, Kapitalgebern, Beschäftigten und Geschäftspartnern.

Gesamtwirtschaftliche Situation

Die aktuelle Nachhaltigkeits­situation lässt sich entsprechend der drei Nachhaltigkeits­säulen und dem maßgeblichen Einflussfaktor Technik wie folgt beschreiben:

a) Umweltsituation

Die Umweltsituation ergibt sich aus dem Zustand der uns umgebenden Natur (Pflanzen, Gewässer, Tierwelt, Klima) sowie den verfügbaren natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen. Zur Beschreibung des Naturzustandes können beispielsweise die Größe intakter Waldflächen, die Menge von verfügbarem Trinkwasser, Fischbestände, Gasgehalte der Atmosphäre, Durchschnitts­temperaturen oder Regenmengen verwendet werden. Die Situation von Ressourcen und Bodenschätzen wird häufig über die verfügbaren Vorkommen (z. B. von Öl, Gas, Metallen, seltenen Erden) und deren Entwicklung beschrieben.

Im Fokus umweltpolitischer Diskussionen steht aktuell der »Klimawandel« durch die von Menschen verursachten Treibhausgas­emissionen (insb. CO2) sowie die Umwelt­verschmutzung durch von Menschen erzeugte Abfälle.

Im Jahr 2021 wurden weltweit 36 853 Millionen Tonnen emittiert, wobei allein China hierzu 11 336 Millionen Tonnen (31 %) beitrug [9]. Etwa 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen werden von 20 Ländern emittiert. Deutschland hatte mit 679 Millionen Tonnen einen Anteil von weniger als 2 Prozent an der globalen Gesamtemissionen (Abbildung 3). Der Anteil des deutschen Industrie­sektors an der globalen CO2-Emission liegt aktuell bei etwa 0,4 % [9, 13].

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 3

Abbildung 3: CO2-Emisssion 2021 [9]

Zur Darstellung der Emissionssituation werden auch Verhältnis­zahlen wie beispiels­weise der CO2-Austoß pro Einwohner benutzt. Für das Klima und die Umwelt sind letztlich jedoch nur die absoluten globalen Werte maßgeblich.

Die absolute CO2-Emission hat sich in Deutschland von 1 055 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 679 Millionen Tonnen im Jahr 2021 und damit um 36 Prozent reduziert [13]. Im Jahr 2022 wurde eine weitere Senkung auf 666 Millionen Tonnen realisiert. Von 1990 bis 2022 konnten die CO2-Emissionen in Deutschland somit um 37 Prozent verringert werden.

Die CO2-Emission wird maßgeblich durch den Primär­energie­verbrauch (PEV) und die dafür eingesetzten Energieträger (Kohle, Öl, Gas, Kernkraft, Sonne, Wind, Wasser) bestimmt. Der Primär­energie­bedarf wird statistisch über die Wirkungs­grad­methode als öläquivalentes Gewicht (oe – oil equivalent) oder in Energie­einheiten (Joule) ermittelt.

Der weltweite Energieverbrauch lag 2022 bei 14 585 Millionen Tonnen Öläquivalent (Mtoe) [2]. Die drei größten Verbraucher waren China (3 801 Mtoe), USA (2 182 Mtoe) und Indien (1 005 Mtoe). Deutschland lag mit 270 Mtoe im Ländervergleich hinter Indonesien und Iran auf dem elften Platz.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 4

Abbildung 4: Globaler Energieverbrauch 2022 [2]

Während sich weltweit ein kontinuierlich steigender Energieverbrauch beobachten lässt, ist dieser in Deutschland von 1990 bis 2022 um etwa 23 Prozent gesunken [2]. Ein Anstieg findet insbesondere in China und Indien statt, wo sich der Energieverbrauch von 1990 bis 2020 etwa um das vierfache erhöht hat [2].

Bei den Anteilen der Energiearten am Energieverbrauch lassen sich im Zeitablauf Veränderungen und länderspezifische Unterschiede beobachten. Die länderspezifischen Unterschiede werden beispielsweise am Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung deutlich. Während der Anteil der Kernenergie als Energiequelle im Jahr 2022 in Deutschland unter 6 % lag, betrug der Anteil in Frankreich mehr als 60 % [10]. Abbildung 5 zeigt die Anteile der Energiearten (Energiemix) in Deutschland für die Jahre 1990 und 2022 im Vergleich [14].

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 5

Abbildung 5: Energiemix in Deutschland [14]

Bei der Energieerzeugung sowie Herstellung und Nutzung von Gütern entstehen Abfälle, welche für die Umwelt und Menschen schädlich sein können. Zu nennen sind hier beispielsweise radioaktive Abfälle aus der Kernenergieerzeugung. Am 31.12.2022 lagerten in Deutschland 130 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie mehrere hundert Behälter mit hochradioaktiven Abfällen in Zwischenlagern. Durch den Rückbau der stillgelegten Atomkraftwerke gehen Prognosen bis 2060 von zusätzlichen 170 000 Kubikmetern aus [1].

Abfälle entstehen auch in Form von Rückständen oder Ausschuss bei industriellen Verarbeitungsprozessen oder durch weggeworfene Produkte von Endverbrauchern. Durch einen Anstieg von Wirtschaftsleistung und Konsum lässt sich weltweit ein kontinuierlicher Anstieg von Abfällen beobachten. Umweltschädlich sind insbesondere Abfälle, die nicht recycelt sowie unsachgemäß entsorgt werden und sich nicht in angemessener Zeit natürlich zersetzen. Ein Beispiel hierfür sind Kunststoffabfälle, die bereits Gefahren für die in Gewässern und Weltmeeren lebende Tierwelt darstellen.

Die weltweite Abfallmenge betrug im Jahr 2018 etwa zwei Milliarden Tonnen pro Tag. Bis zum Jahr 2050 wird ein weiterer Anstieg der weltweiten Abfallmengen um rund 70 Prozent auf dann 3,4 Milliarden Tonnen pro Tag erwartet [16]. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland rund 412 Millionen Tonnen Abfälle entsorgt. Das Abfallaufkommen ist damit um 2,5 Millionen Tonnen zum Vorjahr 2020 gesunken. Damit setzte sich der Rückgang des Abfallaufkommens seit dem Höchststand im Jahr 2018 (417 Millionen Tonnen) weiter fort [15].

b) Wirtschaftssituation

Die Wirtschaftssituation wird vor allem durch die realisierte Wirtschaftsleistung in Form des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und dessen Entwicklung (Wirtschaftswachstum) beschrieben.

Das weltweite Bruttoinlandsprodukt zu jeweiligen Preisen lag 2022 bei etwa 100 Billionen US$ [11]. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag im gleichen Jahr bei umgerechnet rund 4,1 Billionen US$ [6].

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 6

Abbildung 6: Globales und deutsches Bruttoinlandsprodukt [6, 11]

Ergänzend zum absoluten BIP können Verhältnis­kennzahlen, wie beispielsweise die Arbeits­produktivität oder Lohnstück­kosten je Erwerbstätigen, zur Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und Entwicklung herangezogen werden. Zahlen und Daten für Deutschland von 2015 bis 2022 zeigt die Abbildung 7.

Geringes Wirtschafts- und Produktivitäts­wachstum bei hohen Inflationsraten und Lohn­stückkosten­steigerungen gefährden die nachhaltige Entwicklung eines Landes. Die aktuellen Zahlen zur Wirtschafts­entwicklung von Deutschland können deshalb nicht positiv bewertet werden.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 7

Abbildung 7: Wirtschaftliche Entwicklung Deutschland [6]

c) Soziale Situation

Die Beschreibung der sozialen Situation kann durch die Bevölkerungs­entwicklung, Altersstruktur, Alterserwartung, Einkommens- und Vermögens­verteilung, Gesundheit oder Zufriedenheits­bewertungen erfolgen.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) hat die Weltbevölkerung am 15. November 2022 die Schwelle von acht Milliarden Menschen überschritten [16]. Sie wird laut Prognosen bis zum Jahr 2030 auf etwa 8,5 Milliarden und bis 2050 auf 9,7 Milliarden weiter ansteigen.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 8

Abbildung 8: Globale und deutsche Bevölkerung [4, 16]

Abbildung 9 zeigt die Entwicklung der deutschen Bevölkerung und Altersgruppen mit moderaten Annahmen für die Jahre 1990, 2022 und eine Prognose für das Jahr 2030 [5].

Die deutsche Bevölkerung ist von 1990 bis 2022 um mehr als 4 Millionen gewachsen. Erkennbar ist die demographische Altersverschiebung. Die aktuelle und zukünftige Bevölkerungs­entwicklung in Deutschland wird stark von dem Ausmaß und der Struktur von der stattfindenden Migration beeinflusst.

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 9

Abbildung 9: Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland [5]

d) Techniksituation

Die Techniksituation wird durch das technische Wissen sowie die Art und Menge der eingesetzten technischen Geräte und Maschinen beschrieben. Deren große Auswirkungen auf Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialsituation werden an dem verwendeten Begriff der »industriellen Revolution« für technische Veränderungen deutlich.

Die aktuelle Techniksituation ist durch eine umfassende Digitalisierung von Vorgängen, Vernetzung von technischen Geräten sowie steigender Leistungs­fähigkeit von selbststeuernden Maschinen bis hin zu digitaler Intelligenz (KI) gekennzeichnet.

Eine Schlüsseltechnologie für die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre ist das Smartphone. Durch das Smartphone wurde die technische Möglichkeit einer fast unbegrenzten Vernetzung, Information und Kommunikation der Menschen zu jeder Zeit an jedem Ort geschaffen. Durch das Smartphone wurden neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienst­leistungen möglich. Im Jahr 2022 wurden weltweit 1,2 Milliarden Smartphones verkauft [12]. Die weltweite Anzahl der Smartphone- Nutzer lag bei 4,7 Milliarden Menschen, davon 67,6 Millionen in Deutschland. Für die Nutzung der Smartphones stehen mehr als 5 Millionen Apps von Google und Apple zur Verfügung mit denen diese einen Umsatz von mehr als 33 Milliarden US$ machen [12]. Diese Zahlen verdeutlichen, welche Bedeutung das Smartphone als Technologie für Wirtschaft, Soziales und Umwelt hat.

Für alle Formen der Digitalisierung werden Elektrizität und elektronische Produkte bzw. elektronische Komponenten benötigt. Die Elektroindustrie hat dadurch eine besondere Bedeutung für die technische Umsetzung der Digitalisierung. Dies zeigt sich an dem Wachstum und Marktvolumen dieser Branche.

Die globale Elektro- und Digitalindustrie erreichte 2021 ein Produktionsvolumen von etwa 5 Billionen Euro [19]. Davon entfielen 76 Prozent auf Asien, wobei China mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der globalen Produktions­werte erzeugte. Deutschland hatte einen Anteil von 153 Milliarden Euro bzw. 3 Prozent an dieser Wertschöpfung (Abbildung 10).

Die globalen Umsätze der Elektroindustrie wurden 2021 vor allem in folgenden Fachbereichen realisiert [19]:

  • Bauelemente Elektronik: 1 197,6 Mrd. Euro (23,7 %)
  • Automationstechnik: 585,0 Mrd. Euro (11,6 %)
  • Informationstechnik: 464,1 Mrd. Euro (9,2 %)
  • Kommunikations­technik: 446,7 Mrd. Euro (8,9 %)
  • Elektrohausgeräte: 288,6 Mrd. Euro (5,7 %)
  • Energietechnik: 276,4 Mrd. Euro (5,5 %)
  • Unterhaltungs­elektronik: 239,0 Mrd. Euro (4,7 %)
ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 10

Abbildung 10: Globale und deutsche Elektroindustrie 2021 [19, 20]

Das enorme Wirtschafts­wachstum und der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen und politischen Weltmacht hängen maßgeblich mit dem Aufbau von technischen Produktions­kapazitäten und Know-how in der Elektro- und Digitalindustrie zusammen. Noch vor der Jahrtausend­wende war der chinesische Elektromarkt nicht einmal halb so groß wie der deutsche. Innerhalb von 20 Jahren hat sich dies radikal verändert und China ist nun der größte Elektro­produzent weltweit. Dies zeigt, wie wichtig die Elektro- und Digitalindustrie für Wirtschaft und Gesellschaft ist.

Die Entwicklung der deutschen Elektro- und Digitalindustrie wird einen großen Einfluss auf die zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung von Deutschland haben. Aktuell ist sie national die zweitgrößte Industriebranche mit rund 900 000 Inlands­beschäftigen und 810 000 Auslandsbeschäftigten [20]. Das Produktportfolio besteht mit 79 Prozent im Schwerpunkt aus Industriegütern (z. B. Automations-, Energie- und Medizintechnik). Im weltweit größten Fachbereich der Elektronik­bauelemente hat die deutsche Industrie nur einen geringen Anteil an der globalen Wertschöpfung. Die aktuellen Wachstumsraten der deutschen Elektroindustrie liegen unterhalb der globalen Entwicklung.

Betriebliche Situation

Die globale und nationale Situation und Entwicklung bilden die Rahmenbedingungen, in denen sich Unternehmen bewegen. Sie haben Einfluss auf die individuelle betriebliche Situation. Jeder Betrieb muss die eigene Situation auf Mikroebene hinsichtlich der Dimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik analysieren, bewerten und Ziele für das eigene Handeln definieren. Dazu sind geeignete Metriken auf Unternehmensebene zu finden, mit denen die Situation und Entwicklung des Unternehmens erfasst werden kann. Einige Beispiele sind im Folgenden aufgelistet:

  1. Umweltsituation
    • Energieverbrauch
    • Materialverbrauch
    • Wasserverbrauch
    • CO2-Emission
    • Abfallmengen
  2. Wirtschaftliche Situation
    • Betriebserfolg
    • Liquidität
    • Produktivität
    • Marktanteile
    • Umsatzwachstum
  3. Soziale Situation
    • Beschäftigungsentwicklung
    • Altersstruktur, Demografie
    • Mitarbeiterzufriedenheit
    • Krankenstände
    • Arbeitsunfälle
  4. Technische Situation
    • Anlagenstruktur (Alter, Technikstand)
    • Produktstruktur (Alter, Technikstand)
    • Innovationen (Patente, neue Produkte)
    • Investitionsquote
    • Verfügbarkeit

Umsetzung auf betrieblicher Ebene

Nachhaltigkeit ist per Definition aufgrund der gleichrangigen Beachtung unterschiedlicher Dimensionen (Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Technik) ein komplexes Vorhaben. Je komplexer die Aufgaben­stellung, desto wichtiger ist ein gut strukturierter und systematischer Ordnungs- und Gestaltungsrahmen. Am Institut für angewandte Arbeits­wissenschaft (ifaa) wurde deshalb ein ganzheitliches Organisations­konzept für ein betriebliches Nachhaltigkeits­management entwickelt. Es hilft die Übersicht zu behalten und liefert einen Leitfaden sowie Arbeitshilfen zur praktischen Umsetzung in Unternehmen [7]. Das Management­konzept besteht im Kern aus einem ganzheitlichen Verständnis mit vier Nachhaltig­keits­dimensionen, die gleichwertig und zukunfts­orientiert berücksichtigt werden, sechs Aufgaben sowie sechs Gestaltungsfeldern zur systematischen Nachhaltig­keits­verbes­serung eines Unternehmens (Abbildung 11).

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit Abbildung 11

Abbildung 11: Managementkonzept zur Verbesserung der Nachhaltigkeit

Die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeit muss sich an den betriebs­spezifischen Anforderungen ausrichten. Diese sind von den betrieblich relevanten Anspruchs­gruppen abhängig. Unterscheiden lassen sich allgemein folgende Anspruchs­gruppen: Gesetzgeber, Kapitalgeber, Kunden, Management und Beschäftigte sowie Sonstige Interessen­gemein­schaften (z. B. Verbände, Vereine, Stiftungen).

Zu Beginn eines betrieblichen Nachhaltig­keits­managements sollten in Unternehmen zunächst folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welches Nachhaltigkeitsverständnis hat das Unternehmen und wie hoch wird die Notwendigkeit und Bedeutung von Nachhaltig­keit im Unternehmen bewertet?
  • Welche externen Anforderungen (Gesetzgeber, Kunden, Kapitalgeber, Sonstige) müssen oder sollen berücksichtigt werden?
  • Welche internen Anforderungen und Ziele (Management, Beschäftigte) werden an Nachhaltigkeit gestellt?
  • Welche Ressourcen (Mittel, Fähigkeiten) stehen im Unternehmen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit zur Verfügung?

Ein klares Nachhaltigkeits­verständnis, die Einsicht in die Notwendigkeit sowie der Wille der Unternehmens­leitung sind wichtige Voraussetzung für den Erfolg eines Nachhaltig­keits­managements. Damit es mehr als nur bürokratischer Aufwand zur Erfüllung rechtlicher Vorschriften ist, muss es nutzenbringend sein und zum Betrieb passen. Dies erfordert eine individuelle Gestaltung mit betrieblichen Akteuren. Wichtig ist zudem, sich auf das Wesentliche und Machbare zu konzentrieren. Bevor Ziele und Strategien definiert und Aktivitäten gestartet werden, ist deshalb eine Wesentlichkeits­analyse zu empfehlen. Diese hilft, sich auf das richtige zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und so die knappen Ressourcen (Personal, Zeit, Kapital) zielgerichtet und effizient einzusetzen.

Aufbauend auf den Analyse­ergebnissen können Ziele definiert werden. Nachhaltigkeit erfordert ein ausgewogenes Zielsystem (Sustainability Balanced Scorecard) mit definierten Ist- und Soll-Zuständen in den vier Zieldimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik. Für die Zielbildung, Planung und das Controlling von Nachhaltigkeit sind Leistungs­indikatoren (Kennzahlen) zur Leistungsmessung erforderlich. Auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten können realistische Strategien, Aktivitäten und Maßnahmen zur Zielerreichung geplant und umgesetzt werden. Sie bilden auch die Grundlage für das Nachhaltig­keits­controlling sowie die von Unternehmen zunehmend geforderten Nachhaltigkeits­berichte (Stichwort: CSRD).

Praktisch zeigt sich die betriebliche Nachhaltigkeit in der realisierten Gestaltung von:

  • Mission und Grundsätzen,
  • Zielen und Kennzahlen,
  • Strategien und Maßnahmen,
  • Organisation und Prozessen,
  • Produkten und Dienstleistungen,
  • Anlagen und Gebäuden.

Fazit und Ausblick

Nachhaltigkeit dient der Sicherung einer positiven Zukunft durch die langfristige Erhaltung von Ressourcen und die Verbesserung von Wohlstand und Wohlergehen. Dazu ist eine ausgewogene Gesamt­betrachtung in vier Ziel- und Leistungs­dimensionen (Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Technik) notwendig. Die Situation und Entwicklung von Nachhaltigkeit kann auf verschiedenen Ebenen mithilfe von Kennzahlen beschrieben werden. Im Faktenblatt finden sich ausgewählte Kennzahlen zur Situation und Entwicklung auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene. Sie zeigen, dass noch große Herausforderungen zu bewältigen sind.

Aufgrund der hohen Komplexität der Zielstellung und Einflussgrößen ist ein gut strukturiertes und systematisches Vorgehen erforderlich. Ein Management­konzept auf betrieblicher Ebene wurde dargestellt.

Ein eindimensionaler von Angst getriebener Aktivismus mit Lösungs­ansätzen, die ausschließlich auf Technik-, Leistungs- oder Konsum­verboten sowie der Forderung nach Wohlstands­verzicht basieren, wird keinen nachhaltigen Erfolg bringen.

Global wird sich der Erfolg in Ländern entscheiden, welche noch ein starkes Bevölkerungs­wachstum und Grundbedürfnis nach mehr wirtschaftlichem Wohlstand haben. Lösungs­ansätze, die auf der Forderung nach Wohlstands­verzicht und eindimensionalen Umweltzielen basieren, sind für diese Länder ungeeignet.

Eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung erfordert einen progressiven Lösungsansatz. Dieser sollte auf dem Leistungs- und Produktivitäts­prinzip basieren. Ziel eines solchen Ansatzes ist die kontinuierliche Verbesserung der Leistungs­fähigkeit (Effektivität und Effizienz) bei der Erstellung von Gütern und Dienstleistungen und nicht deren Reduzierung. Eine gute Zielgröße ist die Produktivität, d. h. das Verhältnis von Output (Ertrag) zu Input (Aufwand). Mit dem Produktivitäts­gedanken lassen sich die Zieldimensionen der Nachhaltigkeit gleichwertig berücksichtigen und auf den ersten Blick vorhandene Zielkonflikte auflösen [8].

Wenn durch eine höhere Produktivität mehr Wohlstand bei verbessertem Umweltschutz und sozialer Zufriedenheit erreicht wird, ist dies ein starker Motivationsfaktor für eine Nachahmung und aktive Mitwirkung bei der Erreichung von Nach­haltigkeits­zielen. Eine solcher Motivationsfaktor ist entscheidend für den Erfolg für die angestrebte Nachhaltigkeits­transformation auf betrieblicher, nationaler und globaler Ebene.

Literaturhinweise

[1] BGE Bundesgesellschaft für Endlagerung (2023) Aktueller Bestand radioaktive Abfälle in Deutschland. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://www.bge.de/de/abfaelle/aktueller-bestand

[2] Enerdata (2023) Gesamtenergie. Welt-Verbrauch-Statistik. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://energiestatistik.enerdata.net/gesamtenergie/welt-verbrauch-statistik.html

[3] Enquete-Kommission (2020) Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale. Drucksache 19/23700. Abgerufen am 15.11.2023 unter: https://dserver.bundestag.de/btd/19/237/1923700.pdf

[4] Destatis (2023) Bevölkerungsstand: Amtliche Einwohnerzahl Deutschlands 2022. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html

[5] Destatis (2023) Bevölkerungspyramide für Deutschland. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html#!v=2

[6] Destatis (2023) Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Inlandsprodukte. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/_inhalt.html

[7] Eisele O, ifaa (Hrsg) (2021) Nachhaltigkeitsmanagement – Handbuch für die Unternehmenspraxis. Gestaltung und Umsetzung von Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Betrieben. Springer Vieweg, Berlin

[8] Eisele O (2023) Nachhaltiges Produktivitätsmanagement – Mehr Klimaschutz und Wohlstand. Zahlen | Daten | Fakten. ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. www.arbeitswissenschaft.net/angebote-produkte/zahlendatenfakten/nachhaltiges-produktivitaetsmanagement

[9] Global Carbon Atlas (2023). Abgerufen am 27.10.23 unter: https://emissions.globalcarbonatlas.org/index.php

[10] Statista (2023) Wichtigste EU-Länder nach Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung in den Jahren 2016 bis 2022. Abgerufen am 30.10.2023 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/186652/umfrage/anteil-der-atomkraft-an-stromerzeugung-in-eu-laendern

[11] Statista (2023) Weltweites Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 1980 bis 2022. Abgerufen am 31.10.2023 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/159798/umfrage/entwicklung-des-bip-bruttoinlandsprodukt-weltweit

[12] Statista (2023). Smartphones – Statistiken und Studien. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://de.statista.com/themen/581/smartphones

[13] Umweltbundesamt (2023). Treibhausgas-Emissionen. Emissionsübersichten KSG-Sektoren 1990-2022. Abgerufen am 30.10.23 unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/treibhausgas-emissionen

[14] Umweltbundesamt (2023) Primärenergieverbrauch nach Energieträgern 1990 und 2022 im Vergleich. Abgerufen am 30.10.2023 unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_pev-energietraeger_2023-03-22_0.pdf

[15] Umweltbundesamt (2023) Abfallaufkommen. Deutschlands Abfall. Abgerufen am 03.11.2023 unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#deutschlands-abfall

[16] UN-Bevölkerungsabteilung (UNPOP) (2022) World Population Prospects. Abgerufen am 31.10.23 unter: https://population.un.org/wpp

[17] World Bank Group (2019) What a Waste 2.0: A Global Snapshot of Solid Waste Management to 2050. Abgerufen am 30.10.2023 unter: https://openknowledge.worldbank.org/entities/publication/d3f9d45e-115f-559b-b14f-28552410e90a

[18] Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2004): Der aktuelle Begriff Nachhaltigkeit. Abgerufen am 28.05.2020 unter: http://webarchiv.bundestag.de/archive/2008/0506/wissen/analysen/2004/2004_04_06.pdf

[19] ZVEI (2023) Globale Elektro- und Digitalindustrie – Daten, Zahlen und Fakten. Abgerufen am 02.11.2023 unter: https://www.zvei.org/fileadmin/user_upload/Presse_und_Medien/Publikationen/Regelmaessige_Publikationen/Daten_Zahlen_und_Fakten/Die_globale_Elektroindustrie_Daten_Zahlen_Fakten/ZVEI-Faktenblatt-International-2023.pdf

[20] ZVEI (2023) Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie – Daten, Zahlen und Fakten. Abgerufen am 02.11.2023 unter: https://www.zvei.org/presse-medien/publikationen/die-deutsche-elektro-und-digitalindustrie-daten-zahlen-und-fakten

Jetzt lesen!

Faktenblatt | 8 Seiten | PDF | 790 kB

Unsere Empfehlungen

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltiges Produktivitätsmanagement

Nachhaltiges Pro­duk­ti­vi­täts­management

Zahlen/Daten/Fakten

Analyse, Planung und Steuerung von Klimaschutz und Wohlstand auf Basis von Produktivitätskennzahlen. Definition, Situation und Umset­zungsempfehlung.

Merken
ifaa Checkliste Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit

Checklisten/Handlungshilfen

Die Checkliste hilft Unternehmen bei der Analyse u. Verbesserung der Arbeitssituation in den Dimensionen Ökologie, Ökonomie, Soziales und Technologie.

Merken
ifaa Zahlen Daten Fakten New Industrial Engineering

New Industrial Engineering

Zahlen/Daten/Fakten

New Industrial Engineering unter Berücksichtigung der Anforderungen neuer Arbeitswelten. Ziele, Aufgaben, aktuelle Situation und Handlungsfelder.

Merken

Ihr Ansprechpartner

ifaa Zahlen Daten Fakten Nachhaltigkeit

Dipl.-Wirt.Ing.
Olaf Eisele

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Telefon: +49 211 542263-36

E-Mail schreiben
Olaf Eisele Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachbereich Unternehmensexzellenz ifaa