
Nachhaltigkeit in Zahlen
ZAHLEN | DATEN | FAKTEN
Situation auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene
Nachhaltigkeit beschreibt ein zukunftsorientiertes Denken und Handeln, bei dem wirtschaftliche, umweltbezogene und soziale Aspekte ausgewogen berücksichtigt werden. Sie wird maßgeblich durch den Einsatz von Technik beeinflusst. Die Situation und Entwicklung von Nachhaltigkeit lassen sich durch Kennzahlen in den Dimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik beschreiben. Im Faktencheck wird die Nachhaltigkeitssituation auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene mit ausgewählten Kennzahlen beleuchtet. Zudem wird ein Managementkonzept für eine Verbesserung von Nachhaltigkeit dargestellt.

Einleitung
Nachhaltigkeit bedeutet eine Situation dauerhaft zu verbessern. Das ifaa empfiehlt ein vierdimensionales Verständnis und Zielsystem der Nachhaltigkeit. Es enthält eine ausgewogene Berücksichtigung wirtschaftlicher, umweltbezogener, sozialer und technischer Aspekte. Dies gilt auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene. In dem Faktencheck wird eine Übersicht über die Grundlagen von Nachhaltigkeit, die aktuelle Situation und Entwicklung auf globaler und nationaler Ebene sowie ein ganzheitliches Managementkonzept zur systematischen Verbesserung der Nachhaltigkeit auf betrieblicher Ebene gegeben.
Kontext und Ziel des Faktenchecks
Für eine ganzheitliche Beschreibung der Situation und Entwicklung von Nachhaltigkeit sind Fakten in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik erforderlich. Der Faktencheck beleuchtet ausgewählte Kennzahlen in diesen Bereichen auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene. Dies bildet die Grundlage für eine realistische Zielbildung und systematische Verbesserung der Nachhaltigkeit im Rahmen eines Nachhaltigkeitsmanagements.
Kernaussagen
Globales Wachstum in allen Bereichen
Die globale Entwicklung ist durch ein starkes Wachstum der Weltbevölkerung sowie einem Anstieg von Wirtschaftsleistung, Technikleistung, Umweltproblemen (Ressourcenverbrauch, Abfälle, Emissionen) sowie sozialpolitischen Konflikten geprägt. Zur Bewertung der nachhaltigen Entwicklung müssen Kennzahlen aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik ganzheitlich und ausgewogen betrachtet werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen.
National existieren verschiedene Entwicklungen
Bei Kennzahlen zu Bevölkerung, CO2-Emissionen, Abfällen, Energieverbrauch, Wirtschaftsleistung oder Technikstärke lassen sich auf nationaler Ebene unterschiedliche Trends und Entwicklungen feststellen. Die Entwicklung in Deutschland weicht in einigen Bereichen von anderen Nationen sowie globalen Mittelwerten ab und ist zum Teil sogar gegenläufig. Die Entwicklungen werden politisch beeinflusst.
Betriebe müssen ihren eigenen Weg gehen
Unter Berücksichtigung der globalen und nationalen Rahmenbedingungen müssen Betriebe ihre eigene Situation, Anforderungen und Handlungsbedarf zur Nachhaltigkeit bewerten. Davon abhängig sind Ziele, Strategien und Maßnahmen für den eigenen Betrieb zu definieren. Diese sollten für das Unternehmen sinnvoll und mit den verfügbaren Ressourcen machbar sein.
Nachhaltigkeit bedeutet Existenzsicherung
Nachhaltigkeit zielt auf eine dauerhafte Sicherung der Existenz ab. Erreicht wird dies durch den Schutz und einen verschwendungsarmen Einsatz von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ressourcen, der Berücksichtigung von Anforderungen relevanter Interessengruppen sowie der bestmöglichen Nutzung von Technik.
Fazit
Nachhaltigkeit ist ein umfassendes Handlungsprinzip, das der dauerhaften Existenzsicherung dient. Es erfordert mehr als nur Klimaziele. Für eine Umsetzung ist eine realistische und ganzheitliche Betrachtung erforderlich. In dem Faktencheck werden dazu ausgewählte Kennzahlen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekten und ein Konzept für ein erfolgreiches Management von Nachhaltigkeit in Betrieben dargestellt.
Im Jahr 2024 wurden etwa 80 % der globalen CO2-Emissionen von 20 Ländern emittiert. Deutschland hatte einen Anteil von weniger als 1,5 % an der Gesamtemission.
Die Weltbevölkerung hat 2022 die Schwelle von 8 Milliarden Menschen überschritten und wird gemäß Prognosen weiter ansteigen. In Deutschland lebt etwa 1 % der Weltbevölkerung.
Der globale Energieverbrauch ist von 1990 bis 2024 um fast 83 % gestiegen, während er in Deutschland um etwa 31 % gesunken ist.
Grundlagen
Der Begriff »Nachhaltigkeit« hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Er beschreibt dort ein Denken und Handeln, dass die Lebenssituation heutiger Generationen verbessert, ohne die Zukunftsperspektiven folgender Generationen zu verschlechtern.
Durch die Enquete-Kommission wurde der Begriff Nachhaltigkeit mit einem Drei-Säulen-Modell beschrieben. Auf gesellschaftlicher (Makro-)Ebene beschreibt »Nachhaltigkeit« danach eine Politik, deren Ziel die gleichwertige und gleichberechtigte Sicherstellung und Verbesserung von ökologischer, ökonomischer und sozialer Leistungsfähigkeit ist [3, 18].
Die Nachhaltigkeit wird maßgeblich durch die verfügbaren und eingesetzten Technologien beeinflusst. Neue Technologien (regenerative Energieerzeugung, Elektroantriebe oder künstliche Intelligenz etc.) bilden aktuell einen wesentlichen Hoffnungsträger, um die Nachhaltigkeit gesellschaftlich zu verbessern [3]. Insofern bildet Technik eine entscheidende Einflussgröße und Basis für die drei Nachhaltigkeitssäulen (Abbildung 1).
Auf betrieblicher (Mikro-)Ebene steht der Begriff »Nachhaltigkeit« dafür, die Unternehmenssituation bereits heute zu verbessern, ohne die langfristigen Zukunftsperspektiven für Unternehmen, Inhaber, Beschäftigte, Kunden und Lieferanten zu verschlechtern.
Die Nachhaltigkeit zeigt sich bei Unternehmen in den definierten Zielen und der Gestaltung bzw. den Eigenschaften von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmensprozessen (Abbildung 2).
Die Gestaltung von Produkten und Prozessen hat Auswirkung auf die eingesetzte Technik (Produkt- und Prozesstechnik), Umwelt (Emissionen, Abfälle), den wirtschaftlichen Erfolg (Vermögen, Gewinne) sowie das Wohlergehen von Kunden, Beschäftigten, Lieferanten und Inhabern.
Notwendigkeit, Ziele und Nutzen
Die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ergibt sich aus den möglichen Folgen für Gesellschaften bei fehlender Beachtung des Nachhaltigkeitsprinzips. Diese zeigen sich beispielsweise im Klimawandel, in Wirtschaftskrisen oder in sozialen Unruhen. Durch Anwendung des Nachhaltigkeitsprinzips sollen diese negativen Ereignisse vermieden bzw. deren Ausmaß verringert werden. Dementsprechend lassen sich als Ziele und Nutzen von Nachhaltigkeit auf gesamtwirtschaftlicher bzw. gesellschaftlicher Ebene nennen:
- Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlage und natürlichen Ressourcen,
- Sicherung und Verbesserung des Wohlstandes,
- Erhaltung des sozialen Friedens und der Gesundheit.
Auf betrieblicher Ebene ergibt sich die Notwendigkeit für nachhaltiges Wirtschaften aus den Anforderungen von Politik, Gesellschaft, Gesetzgebung, Mitarbeitern und Kunden an ein Unternehmen. Unternehmen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, gefährden dadurch ihre wirtschaftliche Existenz und ihr Fortbestehen. Auf betrieblicher Ebene lassen sich als Ziele und Nutzen eines nachhaltigen Wirtschaftens nennen:
- Erhaltung der betrieblichen Existenzgrundlage und Ressourcen,
- Sicherung und Verbesserung des wirtschaftlichen Betriebserfolges,
- Wohlergehen und Zufriedenheit von Kunden, Kapitalgebern, Beschäftigten und Geschäftspartnern.
Gesamtwirtschaftliche Situation
Die aktuelle Nachhaltigkeitssituation lässt sich entsprechend der drei Nachhaltigkeitssäulen und dem maßgeblichen Einflussfaktor Technik wie folgt beschreiben:
a) Umweltsituation
Die Umweltsituation ergibt sich aus dem Zustand der uns umgebenden Natur (Pflanzen, Gewässer, Tierwelt, Klima) sowie den verfügbaren natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen. Zur Beschreibung des Naturzustandes können beispielsweise die Größe intakter Waldflächen, die Menge von verfügbarem Trinkwasser, Fischbestände, Gasgehalte der Atmosphäre, Durchschnittstemperaturen oder Regenmengen verwendet werden. Die Situation von Ressourcen und Bodenschätzen wird häufig über die verfügbaren Vorkommen (z. B. von Öl, Gas, Metallen, seltenen Erden) und deren Entwicklung beschrieben.
Im Fokus umweltpolitischer Diskussionen steht häufig der »Klimawandel« durch die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen (insb. CO2) sowie die Umweltverschmutzung durch von Menschen erzeugte Abfälle.
Im Jahr 2024 wurden weltweit 38 599 Millionen Tonnen CO2 emittiert, wobei allein China hierzu 12 289 Millionen Tonnen (32 %) beitrug [9]. Etwa 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen werden von 20 Ländern emittiert. Deutschland hatte mit 572 Millionen Tonnen einen Anteil von weniger als 1,5 Prozent an der globalen Gesamtemission (Abbildung 3). Der Anteil des deutschen Industriesektors an der globalen CO2-Emission lag bei etwa 0,4 % [9, 13].
Zur Darstellung der Emissionssituation werden auch Verhältniszahlen wie beispielsweise der CO2-Austoß pro Einwohner benutzt. Für das Klima und die Umwelt sind letztlich jedoch nur die absoluten globalen Werte maßgeblich.
Die absolute CO2-Emission hat sich in Deutschland von 1 055 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 572 Millionen Tonnen im Jahr 2024 und damit um etwa 46 Prozent reduziert. Die globale CO2-Emission hat sich dagegen im gleichen Zeitraum um etwa 70 Prozent erhöht [9].
Die CO2-Emission wird maßgeblich durch den Primärenergieverbrauch (PEV) und die dafür eingesetzten Energieträger (Kohle, Öl, Gas, Kernkraft, Sonne, Wind, Wasser) bestimmt. Der Primärenergiebedarf wird statistisch über die Wirkungsgradmethode als öläquivalentes Gewicht (oe – oil equivalent) oder in Energieeinheiten (Joule) ermittelt.
Der weltweite Energieverbrauch lag 2024 bei 15 493 Millionen Tonnen Öläquivalent (Mtoe) [2]. Die drei größten Verbraucher waren China (4 343 Mtoe), USA (2 180 Mtoe) und Indien (1 213 Mtoe). Deutschland lag mit 242 Mtoe im Ländervergleich hinter Südkorea und Saudi-Arabien auf dem zwölften Platz.
Während der globale Energieverbrauch von 1990 bis 2024 um fast 83 Prozent gestiegen ist, sank er in Deutschland um etwa 31 Prozent [2]. Ein Anstieg fand insbesondere in China und Indien statt, wo sich der Energieverbrauch von 1990 bis 2024 fast um das sechsfache erhöht hat [2].
Bei den Anteilen der Energiearten am Energieverbrauch lassen sich im Zeitablauf Veränderungen und länderspezifische Unterschiede beobachten. Die länderspezifischen Unterschiede werden beispielsweise am Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung deutlich. Während der Anteil der Kernenergie als Energiequelle in Deutschland keine Rolle mehr spielt, beträgt er in Frankreich mehr als 67 % [10]. Abbildung 5 zeigt die Anteile der Energiearten (Energiemix) in Deutschland für die Jahre 1990 und 2024 im Vergleich [14, 21].
Bei der Energieerzeugung sowie Herstellung und Nutzung von Gütern entstehen Abfälle, welche für die Umwelt und Menschen schädlich sein können. Zu nennen sind hier beispielsweise radioaktive Abfälle aus der Kernenergieerzeugung. Am 31.12.2022 lagerten in Deutschland 130 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie mehrere hundert Behälter mit hochradioaktiven Abfällen in Zwischenlagern. Durch den Rückbau der stillgelegten Atomkraftwerke gehen Prognosen bis 2060 von zusätzlichen 170 000 Kubikmetern aus [1].
Abfälle entstehen auch in Form von Rückständen oder Ausschuss bei industriellen Verarbeitungsprozessen oder durch weggeworfene Produkte von Endverbrauchern. Durch einen Anstieg von Wirtschaftsleistung und Konsum lässt sich weltweit ein kontinuierlicher Anstieg von Abfällen beobachten. Umweltschädlich sind insbesondere Abfälle, die nicht recycelt sowie unsachgemäß entsorgt werden und sich nicht in angemessener Zeit natürlich zersetzen. Ein Beispiel hierfür sind Kunststoffabfälle, die bereits Gefahren für die in Gewässern und Weltmeeren lebende Tierwelt darstellen.
Die weltweite Menge von festen, kommunalen Abfällen wurde für das Jahr 2020 auf 2,1 Milliarden Tonnen pro Jahr geschätzt. Bis 2050 wird ein weiterer Anstieg um 56 Prozent auf etwa 3,8 Milliarden Tonnen pro Jahr erwartet, falls keine dringenden Maßnahmen ergriffen werden [17]. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 380 Millionen Tonnen Abfälle entsorgt. Das Abfallaufkommen ist damit um 19 Millionen Tonnen zum Vorjahr 2022 gesunken. Damit setzte sich der Rückgang des Abfallaufkommens seit dem Höchststand im Jahr 2018 (417 Millionen Tonnen) weiter fort [15].
b) Wirtschaftssituation
Die Wirtschaftssituation wird vor allem durch die realisierte Wirtschaftsleistung in Form des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und dessen Entwicklung (Wirtschaftswachstum) beschrieben.
Das weltweite Bruttoinlandsprodukt zu jeweiligen Preisen lag 2024 bei rund 111 Billionen US$ [11]. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag im gleichen Jahr bei umgerechnet etwa 4,6 Billionen US$ [6].
Ergänzend zum absoluten BIP können Verhältniskennzahlen, wie beispielsweise die Arbeitsproduktivität oder Lohnstückkosten je Erwerbstätigen, zur Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und Entwicklung herangezogen werden. Zahlen und Daten für Deutschland von 2015 bis 2025 zeigt die Abbildung 7.
Geringes Wirtschafts- und Produktivitätswachstum bei hohen Inflationsraten und Lohnstückkostensteigerungen gefährden die nachhaltige Entwicklung eines Landes. Die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung von Deutschland können deshalb nicht positiv bewertet werden.
c) Soziale Situation
Die Beschreibung der sozialen Situation kann durch die Bevölkerungsentwicklung, Altersstruktur, Alterserwartung, Einkommens- und Vermögensverteilung, Gesundheit oder Zufriedenheitsbewertungen erfolgen.
Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) hat die Weltbevölkerung am 15. November 2022 die Schwelle von acht Milliarden Menschen überschritten. Sie wird laut Prognosen bis zum Jahr 2080 auf etwa zehn Milliarden weiter ansteigen [16].
Abbildung 9 zeigt die Entwicklung der deutschen Bevölkerung und Altersgruppen mit moderaten Annahmen für die Jahre 1990, 2025 und eine Prognose für das Jahr 2030 [5].
Die deutsche Bevölkerung ist von 1990 bis 2025 um 3,7 Millionen gewachsen. Erkennbar ist die demographische Altersverschiebung. Die aktuelle und zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wird stark von dem Ausmaß und der Struktur von der stattfindenden Migration beeinflusst.
d) Techniksituation
Die Techniksituation wird durch das technische Wissen sowie die Art und Menge der eingesetzten technischen Geräte und Maschinen beschrieben. Deren große Auswirkungen auf Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialsituation werden an dem verwendeten Begriff der »industriellen Revolution« für technische Veränderungen deutlich.
Die aktuelle Techniksituation ist durch eine umfassende Digitalisierung von Vorgängen, Vernetzung von technischen Geräten sowie steigender Leistungsfähigkeit von selbststeuernden Maschinen bis hin zu digitaler Intelligenz (KI) gekennzeichnet.
Eine Schlüsseltechnologie für die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre ist das Smartphone. Durch das Smartphone wurde die technische Möglichkeit einer fast unbegrenzten Vernetzung, Information und Kommunikation der Menschen zu jeder Zeit an jedem Ort geschaffen. Durch das Smartphone wurden neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen möglich. Im Jahr 2024 wurden weltweit 1,2 Milliarden Smartphones verkauft [12]. Die weltweite Anzahl der Smartphone-Nutzer lag bei 4,7 Milliarden Menschen, davon 71 Millionen in Deutschland. Der weltweite Umsatz mit Smartphones betrug im Jahr 2024 rund 38 Milliarden US$ [12]. Diese Zahlen verdeutlichen, welche Bedeutung das Smartphone als Technologie für Wirtschaft, Soziales und Umwelt hat.
Für alle Formen der Digitalisierung werden Elektrizität und elektronische Produkte bzw. elektronische Komponenten benötigt. Die Elektroindustrie hat dadurch eine besondere Bedeutung für die technische Umsetzung der Digitalisierung. Dies zeigt sich an dem Wachstum und Marktvolumen dieser Branche.
Die globale Elektro- und Digitalindustrie erreichte 2023 ein Produktionsvolumen von etwa 5,6 Billionen Euro [19]. Davon entfielen 74 Prozent auf Asien, wobei China mit 48 Prozent fast die Hälfte der globalen Produktionswerte erzeugte. Deutschland hatte einen Anteil von 176 Milliarden Euro bzw. 3 Prozent an dieser Wertschöpfung (Abbildung 10).
Die globalen Umsätze der Elektroindustrie wurden 2023 vor allem in folgenden Fachbereichen realisiert [19]:
- Bauelemente Elektronik: 1 231,3 Mrd. Euro (22 %)
- Automationstechnik: 655,8 Mrd. Euro (11,7 %)
- Informationstechnik: 485,2 Mrd. Euro (8,7 %)
- Kommunikationstechnik: 491,8 Mrd. Euro (8,8 %)
- Elektroinstallationssysteme: 126,8 Mrd. Euro (2,3 %)
- Energietechnik: 319,5 Mrd. Euro (5,7 %)
- Elektromedizin: 148,6 Mrd. Euro (2,7 %)
- Licht: 131,2 Mrd. Euro (2,3 %)
Das enorme Wirtschaftswachstum und der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen und politischen Weltmacht hängen maßgeblich mit dem Aufbau von technischen Produktionskapazitäten und Know-how in der Elektro- und Digitalindustrie zusammen. Noch vor der Jahrtausendwende war der chinesische Elektromarkt nicht einmal halb so groß wie der deutsche. Innerhalb von 20 Jahren hat sich dies radikal verändert und China ist nun der größte Elektroproduzent weltweit. Dies zeigt, wie wichtig die Elektro- und Digitalindustrie für Wirtschaft und Gesellschaft ist.
Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie erzielte 2024 einen Umsatz von 220 Milliarden Euro und damit etwa 10 Prozent der deutschen Industrieerlöse [20]. Aktuell ist sie national die zweitgrößte Industriebranche mit rund 879 000 Inlandsbeschäftigen und 855 000 Auslandsbeschäftigten. Das Produktportfolio besteht mit 81 Prozent im Schwerpunkt aus Industriegütern (z. B. Automations-, Energie- und Medizintechnik). Im weltweit größten Fachbereich der Elektronikbauelemente hat die deutsche Industrie nur einen geringen Anteil an der globalen Wertschöpfung. Die aktuellen Wachstumsraten der deutschen Elektroindustrie liegen unterhalb der globalen Entwicklung und für 2025 ist eine negative Entwicklung von Umsatz und Produktion zu beobachten.
Betriebliche Situation
Die globale und nationale Situation und Entwicklung bilden die Rahmenbedingungen, in denen sich Unternehmen bewegen. Sie haben Einfluss auf die individuelle betriebliche Situation. Jeder Betrieb muss die eigene Situation auf Mikroebene hinsichtlich der Dimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik analysieren, bewerten und Ziele für das eigene Handeln definieren. Dazu sind geeignete Metriken auf Unternehmensebene zu finden, mit denen die Situation und Entwicklung des Unternehmens erfasst werden kann. Einige Beispiele sind im Folgenden aufgelistet:
- Umweltsituation
- Energieverbrauch
- Materialverbrauch
- Wasserverbrauch
- CO2-Emission
- Abfallmengen
- Wirtschaftliche Situation
- Betriebserfolg
- Liquidität
- Produktivität
- Marktanteile
- Umsatzwachstum
- Soziale Situation
- Beschäftigungsentwicklung
- Altersstruktur, Demografie
- Mitarbeiterzufriedenheit
- Krankenstände
- Arbeitsunfälle
- Technische Situation
- Anlagenstruktur (Alter, Technikstand)
- Produktstruktur (Alter, Technikstand)
- Innovationen (Patente, neue Produkte)
- Investitionsquote
- Verfügbarkeit
Umsetzung auf betrieblicher Ebene
Nachhaltigkeit ist per Definition aufgrund der gleichrangigen Beachtung unterschiedlicher Dimensionen (Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Technik) ein komplexes Vorhaben. Je komplexer die Aufgabenstellung, desto wichtiger ist ein gut strukturierter und systematischer Ordnungs- und Gestaltungsrahmen. Am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) wurde deshalb ein ganzheitliches Organisationskonzept für ein betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt. Es hilft die Übersicht zu behalten und liefert einen Leitfaden sowie Arbeitshilfen zur praktischen Umsetzung in Unternehmen [7]. Das Managementkonzept besteht im Kern aus einem ganzheitlichen Verständnis mit vier Nachhaltigkeitsdimensionen, die gleichwertig und zukunftsorientiert berücksichtigt werden, sechs Aufgaben sowie sechs Gestaltungsfeldern zur systematischen Nachhaltigkeitsverbesserung eines Unternehmens (Abbildung 11).
Die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeit muss sich an den betriebsspezifischen Anforderungen ausrichten. Diese sind von den betrieblich relevanten Anspruchsgruppen abhängig. Unterscheiden lassen sich allgemein folgende Anspruchsgruppen: Gesetzgeber, Kapitalgeber, Kunden, Management und Beschäftigte sowie Sonstige Interessengemeinschaften (z. B. Verbände, Vereine, Stiftungen).
Zu Beginn eines betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements sollten in Unternehmen zunächst folgende Fragen beantwortet werden:
- Welches Nachhaltigkeitsverständnis hat das Unternehmen und wie hoch wird die Notwendigkeit und Bedeutung von Nachhaltigkeit im Unternehmen bewertet?
- Welche externen Anforderungen (Gesetzgeber, Kunden, Kapitalgeber, Sonstige) müssen oder sollen berücksichtigt werden?
- Welche internen Anforderungen und Ziele (Management, Beschäftigte) werden an Nachhaltigkeit gestellt?
- Welche Ressourcen (Mittel, Fähigkeiten) stehen im Unternehmen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit zur Verfügung?
Ein klares Nachhaltigkeitsverständnis, die Einsicht in die Notwendigkeit sowie der Wille der Unternehmensleitung sind wichtige Voraussetzung für den Erfolg eines Nachhaltigkeitsmanagements. Damit es mehr als nur bürokratischer Aufwand zur Erfüllung rechtlicher Vorschriften ist, muss es nutzenbringend sein und zum Betrieb passen. Dies erfordert eine individuelle Gestaltung mit betrieblichen Akteuren. Wichtig ist zudem, sich auf das Wesentliche und Machbare zu konzentrieren. Bevor Ziele und Strategien definiert und Aktivitäten gestartet werden, ist deshalb eine Wesentlichkeitsanalyse zu empfehlen. Diese hilft, sich auf das richtige zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und so die knappen Ressourcen (Personal, Zeit, Kapital) zielgerichtet und effizient einzusetzen.
Aufbauend auf den Analyseergebnissen können Ziele definiert werden. Nachhaltigkeit erfordert ein ausgewogenes Zielsystem (Sustainability Balanced Scorecard) mit definierten Ist- und Soll-Zuständen in den vier Zieldimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Technik. Für die Zielbildung, Planung und das Controlling von Nachhaltigkeit sind Leistungsindikatoren (Kennzahlen) zur Leistungsmessung erforderlich. Auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten können realistische Strategien, Aktivitäten und Maßnahmen zur Zielerreichung geplant und umgesetzt werden. Sie bilden auch die Grundlage für das Nachhaltigkeitscontrolling sowie die von Unternehmen zunehmend geforderten Nachhaltigkeitsberichte (Stichwort: CSRD).
Praktisch zeigt sich die betriebliche Nachhaltigkeit in der realisierten Gestaltung von:
- Mission und Grundsätzen,
- Zielen und Kennzahlen,
- Strategien und Maßnahmen,
- Organisation und Prozessen,
- Produkten und Dienstleistungen,
- Anlagen und Gebäuden.
Fazit und Ausblick
Nachhaltigkeit dient der Sicherung einer positiven Zukunft durch die langfristige Erhaltung von Ressourcen und die Verbesserung von Wohlstand und Wohlergehen. Dazu ist eine ausgewogene Gesamtbetrachtung in vier Ziel- und Leistungsdimensionen (Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Technik) notwendig. Die Situation und Entwicklung von Nachhaltigkeit kann auf verschiedenen Ebenen mithilfe von Kennzahlen beschrieben werden. Im Faktencheck finden sich ausgewählte Kennzahlen zur Situation und Entwicklung auf globaler, nationaler und betrieblicher Ebene. Sie zeigen, dass noch große Herausforderungen zu bewältigen sind.
Aufgrund der hohen Komplexität der Zielstellung und Einflussgrößen ist ein gut strukturiertes und systematisches Vorgehen erforderlich. Ein Managementkonzept auf betrieblicher Ebene wurde dargestellt.
Ein eindimensionaler von Angst getriebener Aktivismus mit Lösungsansätzen, die ausschließlich auf Technik-, Leistungs- oder Konsumverboten sowie der Forderung nach Wohlstandsverzicht basieren, wird keinen nachhaltigen Erfolg bringen.
Global wird sich der Erfolg in Ländern entscheiden, welche noch ein starkes Bevölkerungswachstum und Grundbedürfnis nach mehr wirtschaftlichem Wohlstand haben. Lösungsansätze, die auf der Forderung nach Wohlstandsverzicht und eindimensionalen Umweltzielen basieren, sind für diese Länder ungeeignet.
Eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung erfordert einen progressiven Lösungsansatz. Dieser sollte auf dem Leistungs- und Produktivitätsprinzip basieren. Ziel eines solchen Ansatzes ist die kontinuierliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit (Effektivität und Effizienz) bei der Erstellung von Gütern und Dienstleistungen und nicht deren Reduzierung. Eine gute Zielgröße ist die Produktivität, d. h. das Verhältnis von Output (Ertrag) zu Input (Aufwand). Mit dem Produktivitätsgedanken lassen sich die Zieldimensionen der Nachhaltigkeit gleichwertig berücksichtigen und auf den ersten Blick vorhandene Zielkonflikte auflösen [8].
Wenn durch eine höhere Produktivität mehr Wohlstand bei verbessertem Umweltschutz und sozialer Zufriedenheit erreicht wird, ist dies ein starker Motivationsfaktor für eine Nachahmung und aktive Mitwirkung bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Eine solcher Motivationsfaktor ist entscheidend für den Erfolg für die angestrebte Nachhaltigkeitstransformation auf betrieblicher, nationaler und globaler Ebene.
Literaturhinweise
[1] BGE Bundesgesellschaft für Endlagerung (2025) Aktueller Bestand radioaktive Abfälle in Deutschland. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://www.bge.de/de/abfaelle/aktueller-bestand
[2] Enerdata (2025) Globales Energie- und Klimastatistik — Jahrbuch 2025. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://energiestatistik.enerdata.net/gesamtenergie/welt-verbrauch-statistik.html
[3] Enquete-Kommission (2020) Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale. Drucksache 19/23700. Abgerufen am 15.11.2023 unter: https://dserver.bundestag.de/btd/19/237/1923700.pdf
[4] Destatis (2026) Bevölkerungsstand: Amtliche Einwohnerzahl Deutschlands 2024. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html
[5] Destatis (2026) Bevölkerungspyramide für Deutschland. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html#!v=2
[6] Destatis (2026) Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Wichtige gesamtwirtschaftliche Größen. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/inlandsprodukt-gesamtwirtschaft.html
[7] Eisele O, ifaa (Hrsg) (2024) Nachhaltigkeitsmanagement – Handbuch für die Unternehmenspraxis. Gestaltung und Umsetzung von Nachhaltigkeit in produzierenden Betrieben. Springer Vieweg, Berlin
[8] Eisele O (2025) Nachhaltiges Produktivitätsmanagement – Mehr Klimaschutz und Wohlstand. Zahlen | Daten | Fakten. ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. https://www.arbeitswissenschaft.net/angebote-produkte/zahlendatenfakten/nachhaltiges-produktivitaetsmanagement
[9] Global Carbon Atlas (2026). Abgerufen am 12.01.2026 unter: https://emissions.globalcarbonatlas.org/index.php
[10] Statista (2025) Wichtigste EU-Länder nach Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung in den Jahren 2016 bis 2024. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/186652/umfrage/anteil-der-atomkraft-an-stromerzeugung-in-eu-laendern
[11] Statista (2025) Weltweites Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 1980 bis 2024. Abgerufen am 12.12.2025 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/159798/umfrage/entwicklung-des-bip-bruttoinlandsprodukt-weltweit
[12] Statista (2025). Smartphones – Statistiken und Studien. Abgerufen am 12.12.2025 unter: https://de.statista.com/themen/581/smartphones
[13] Umweltbundesamt (2025). Treibhausgas-Emissionen. Emissionsübersichten KSG-Sektoren 1990-2024. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/treibhausgas-emissionen
[14] Umweltbundesamt (2025) Primärenergieverbrauch nach Energieträgern 1990 und 2024 im Vergleich. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/primaerenergieverbrauch
[15] Destatis (2025). Abfallwirtschaft. Kurzübersicht Abfallbilanz – Zeitreihe. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Abfallwirtschaft/Tabellen/liste-abfallbilanz-kurzuebersicht.html
[16] United Nations (2024) World Population Prospects 2024: Summary of Results. Abgerufen am 12.12.2025 unter: https://population.un.org/wpp/publications
[17] United Nations Environment Programme (2024) Global Waste Management Outlook 2024: Beyond an age of waste. Turning rubbish into a resource. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://wedocs.unep.org/items/36e16872-2f02-4447-a3c1-c939bf50ea92
[18] Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2004): Der aktuelle Begriff Nachhaltigkeit. Abgerufen am 28.05.2020 unter: http://webarchiv.bundestag.de/archive/2008/0506/wissen/analysen/2004/2004_04_06.pdf
[19] ZVEI (2024) Globale Elektro- und Digitalindustrie – Daten, Zahlen und Fakten. Abgerufen am 15.12.2025 unter: https://www.zvei.org/presse-medien/publikationen/die-globale-elektro-und-digitalindustrie-daten-zahlen-und-fakten
[20] ZVEI (2026) Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie – Daten, Zahlen und Fakten. Abgerufen am 18.02.2026 unter: https://www.zvei.org/presse-medien/publikationen/die-deutsche-elektro-und-digitalindustrie-daten-zahlen-und-fakten
[21] AGEB Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V. (2025) Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2024. Abgerufen am 11.12.2025 unter: https://ag-energiebilanzen.de/wp-content/uploads/AGEB_Jahresbericht2024_20250616_dt.pdf
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