
Humanoide Roboter – Entwicklungsstand, Potenziale und Zukunftsaussichten Humanoider Roboter für die industrielle Produktion
ZAHLEN | DATEN | FAKTEN
Humanoide Roboter sind menschenähnlich aufgebaute und bewegliche Robotersysteme, die für den Einsatz in bestehenden Arbeits- und Produktionsumgebungen entwickelt werden. Sie befinden sich aktuell im Übergang von der Forschung zur industriellen Praxis und werden insbesondere in der Automobilindustrie sowie in der Logistik erprobt. Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Trainingsverfahren und Hardware erhöhen ihre Flexibilität und erweitern die Einsatzmöglichkeiten. Erwartet werden erhebliche wirtschaftliche Potenziale durch sinkende Kosten und vielseitige Nutzungsmöglichkeiten, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Während erste Anwendungen bereits produktiv umgesetzt werden, sind weitere Praxisbeispiele und gezielte Unterstützung bei der Einführung erforderlich, um das volle Potenzial humanoider Roboter in der industriellen Wertschöpfung auszuschöpfen.
Dieser Faktencheck beleuchtet den Entwicklungsstand, die Potenziale und Zukunftsaussichten Humanoider Roboter für die industrielle Produktion.

Definition & Einleitung
Humanoide Roboter sind dem Menschen in Aussehen und Bewegung nachempfundene Robotersysteme. Sie sollen Aufgaben in Umgebungen ausführen, die nicht an Roboter angepasst sind [1]. Die ISO-Norm 8373:2021 definiert sie über ihren menschenähnlichen Aufbau mit Rumpf, Kopf, oberen und unteren Gliedmaßen sowie einer menschenähnlichen Bewegung [13]. Entscheidend ist die Kombination aus körperlicher Struktur, Beweglichkeit und der Fähigkeit, in bestehenden industriellen Infrastrukturen eingesetzt werden zu können. Humanoide Roboter gelangen schrittweise in die industrielle Anwendung, der Automobilbau ist hier ein Vorreiter. In Asien werden Humanoide bereits im Service eingesetzt [1].
Kontext und Ziel des Faktenchecks
Der aktuelle Entwicklungsstand Humanoider Roboter, ihre Anwendungsfelder mit wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Potenzialen sowie sich abzeichnende Zukunftsaussichten werden dargestellt. Dabei wird vorrangig die industrielle Wertschöpfung betrachtet. Dazu werden mögliche Einsatzbereiche und aktuelle Pilotprojekte dargestellt sowie Hinweise zur Einführung Humanoider Roboter gegeben.
Kernaussagen
Entwicklungsstand von Humanoiden
Humanoide Roboter befinden sich im Übergang von der Forschung zur industriellen Anwendung. Auf den voraussichtlich stark wachsenden Markt drängen viele Hersteller aus den USA und China. Europa und Deutschland sind beteiligt, u. a. durch Neura Robotics.
Einsatz zunächst in Logistik und Produktion
Pilotprojekte in Automobilbau und Logistik zeigen die industrielle Einsatzfähigkeit. Hier werden Humanoide für repetitive Tätigkeiten und in Bereichen mit hoher Fluktuation genutzt. Fortschritte bei KI, Trainingsmethoden und Hardware erweitern ihre Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten.
Große Flexibilität und hoher Nutzen erwartet
Steigende Einsatzflexibilität und sinkende Preise lassen ein hohes wirtschaftliches Nutzenpotenzial für Humanoide Roboter erwarten – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die klassische, weniger flexible Robotik häufig weder finanzieren noch angemessen nutzen können.
Zukunftsaussichten für Humanoide
Humanoide werden bislang vor allem von internationalen Großunternehmen erprobt und für spezifische Aufgaben eingesetzt. Eine flexible Nutzung – insbesondere in KMU – ist bisher kaum erprobt, jedoch notwendig, um das damit verbundene breite wirtschaftliche Potenzial zu erschließen.
Fazit
Humanoide Roboter beginnen die Labore zu verlassen, werden in der industriellen Produktion erprobt und teilweise bereits produktiv eingesetzt. Ihre Einsatzmöglichkeiten entwickeln sich dynamisch weiter. Einzelne Hersteller haben mit der Serienproduktion begonnen und tragen zu einem wachsenden Markt mit sinkenden Preisen bei. Damit auch KMU die wirtschaftlichen Potenziale nutzen können, sind geeignete Praxisbeispiele und Umsetzungsunterstützung erforderlich.
Anwendungsfelder

Humanoide Roboter lassen sich in Bereichen einsetzen, die ein hohes Maß an Flexibilität erfordern, insbesondere in Arbeitsbereichen, die ursprünglich für den Menschen konzipiert wurden [1]. Diese Art der Automatisierung wird Brownfield-Automatisierung genannt. Die Robotersysteme lassen sich in bestehenden Betriebsstätten, bspw. einer Lagerhalle, implementieren, ohne dass Änderungen an der Umwelt (bspw. Markierung von Wegen oder Einzäunung) vorgenommen werden müssen. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Industrierobotern, da die Infrastruktur nicht neu ausgerichtet und keine spezifisch zugeschnittenen Robotersysteme implementiert werden müssen.
Derzeit werden Humanoide Roboter vorrangig bei Logistik- und Transportaufgaben sowie einfachen Montage- und Prüfaufgaben vorgesehen. Insbesondere große Automobilhersteller und Logistikunternehmen treiben Pilotprojekte voran. Bspw. werden bei BMW die Modelle Figure01 und Figure02 erprobt, bei Mercedes-Benz das Modell Apollo; GXO Logistics setzt das Modell Reflex produktiv ein; adressiert werden dabei repetitive und ermüdende Aufgaben sowie Bereiche mit hoher Personalfluktuation [2]. Darüber hinaus bieten Humanoide ein hohes Potential für den Einsatz bei gefährlichen Tätigkeiten, die auch Flexibilität erfordern. Wirtschaft und Forschung erschließen zunehmend neue Einsatzszenarien [2] (siehe bspw. Abbildung 2). Darüber hinaus lassen die Flexibilität und Belastbarkeit Humanoider Roboter eine Vielzahl weiterer Einsatzmöglichkeiten erwarten: So könnten Humanoide als Springer bei Krankheitsfällen oder fluktuierender Auslastung dienen und menschlose Nacht- und Wochenendschichten ermöglichen (dark factory).
Ein oft genannter Nachteil ist der Leitsatz »form follows function« [15]. Für viele Tätigkeiten, die bislang automatisiert werden, ist der menschliche Körper ungeeignet. Folglich ist ein Roboter, der dem Menschen in seiner physischen Erscheinung und in seinen Fähigkeiten nachgeahmt ist, für diese Tätigkeiten ebenso ungeeignet. Auf eine Tätigkeit spezifisch zugeschnittene Automatisierungslösungen mit simpler Steuerung und schneller Ausführung sind hier bisher meist zuverlässiger und effizienter als Humanoide Roboter. Dies betrifft vor allem den Einsatz für hochpräzise oder stark repetitive Aufgaben, bspw. einfache Transportaufgaben [1].
Technologische Treiber

Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz tragen maßgeblich zur Entwicklung von Humanoiden Robotern bei und haben zu zahlreichen Neuvorstellungen Humanoider Roboter geführt (siehe Abbildung 1). Im Roboter integrierte KI-Systeme (Embodied AI) steuern Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Bewegungsplanung des Roboters. Dadurch sind Humanoide Roboter in der Lage, weitgehend autonom mit der Umwelt zu interagieren. Die Weiterentwicklung der integrierten KI-Systeme erfolgt zunehmend über eine Kombination aus großen Datenbeständen, Training in digitalen Zwillingen und anschließende Echtzeitausführung auf Bordcomputern [19].
Da die Roboter durch den Einsatz von KI-Systemen nicht für spezifische Aufgaben programmiert werden müssen, wird ein flexibler Einsatz für unterschiedliche Tätigkeiten und in variierenden Umgebungen möglich [2]. Dies ist besonders für KMU relevant, da diese durch höhere Flexibilität mehr Aufgaben zu geringeren Kosten automatisieren können.
Zur Flexibilität trägt bei, dass sich die Humanoiden bzw. ihre Steuerungen mit unterschiedlichen Methoden trainieren lassen. Vision Language Action Models ermöglichen es, Entscheidungen auf Basis eines einfachen sprachlichen und eines visuellen Inputs zu treffen [5]. Weitere Trainingsdaten können durch das Imitation Learning generiert werden. Diese Methode ermöglicht Humanoiden Robotern, Verhalten beim Menschen »abzuschauen«, indem dieses beobachtet und nachgeahmt wird [1]. Fehlende Trainingsdaten lassen sich durch computersimulierte Daten ergänzen. Bspw. werden Humanoide Roboter vom Hersteller Richtex in virtuellen Umgebungen trainiert, damit ein schneller Einsatz in Produktionsstätten möglich ist [6].
Fortschrittliche Prozessoren und Cloud Computing ermöglichen Datenverarbeitung in Echtzeit und die Koordination zwischen mehreren Robotern. Dazu kommen neue Technologien relevanter Hardwarekomponenten, wie leichtere, stabile und günstigere Materialien, genauere visuelle und taktile Sensoren oder präzisere Motoren(-steuerungen) [1]. Darüber hinaus werden stetig neue Ansätze zur Problemlösung entwickelt und umgesetzt – bspw. ist der Roboter der Firma UBtech inzwischen in der Lage, selbstständig die eigene Batterie zu wechseln [18].

Diese Fortschritte machen Humanoide nicht nur präziser, flexibler und schneller einsetzbar, sondern insbesondere wirtschaftlich rentabler (siehe Abbildung 3). In einer Horváth-Studie werden bis 2030 durchschnittliche Anschaffungskosten für in Serie produzierte Humanoide Roboter von 48.000 € prognostiziert, was einer Reduktion von 40 % im Vergleich zu den durchschnittlichen Anschaffungskosten 2025 entspricht [7].
Dazu prognostizieren die Autoren bei konstanter technischer Weiterentwicklung, dass sich über 50 % der manuellen Tätigkeiten mit Humanoiden Robotern automatisieren lassen. Bis 2030 werden Systeme erwartet, die den Menschen in seiner Flexibilität übertreffen [7]. Die Flexibilität wird dabei nach den folgenden Kriterien gemessen:
- Geschwindigkeit der Bewegung
- Anlernen/Befähigungsmöglichkeit
- Grad der Feinmotorik
- Akkukapazitäten
- Bewegungsumfang
- Anpassungsfähigkeit
- Sensorintegration
- Aufgabenvielseitigkeit
- Kommunikation und Interaktion
Aktuelle Verbreitung und Potenziale
Der Markt für Humanoide Roboter befindet sich im Übergang. Die ersten Prototypen haben Laborversuche abgeschlossen, werden in industriellen Pilotprojekten getestet und vereinzelt bereits produktiv genutzt. Nach Unternehmensangaben hat BMW in Zusammenarbeit mit Figure AI innerhalb von zehn Monaten 30 000 SUV unter Beteiligung von zwei Modellen des Humanoiden Figure02 produziert [21]. Seit November 2025 wird an der Einführung der dritten Generation gearbeitet [8]. GXO nutzt einen Humanoiden produktiv in der Logistik [2]. Mehr als 20 Hersteller arbeiten derzeit an der kommerziellen Produktion Humanoider Roboter. Horváth prognostiziert bis Ende 2028 den Produktionsstart von 16 verschiedenen Herstellern, darunter auch ein Modell des deutschen Herstellers Neura Robotics [9].
Der globale Markt für Humanoide Roboter weist großes Wachstumspotenzial auf. Goldman Sachs rechnet mit einem Marktvolumen von 38 Mrd. USD bzw. 1,4 Millionen Stück bis zum Jahr 2035 [10]. Das große Marktwachstum zeigt sich bereits an einer schnell steigenden Anzahl kommerzieller Hersteller: von 55 im Jahr 2025 auf 90 im Jahr 2026 [22]. Ein Großteil der Hersteller, Technologien und Investitionen in Humanoide Roboter stammt aus den USA und China [1], [9]. Deutschland gilt als europäischer Vorreiter bei der Nutzung industrieller Roboter [11]. Trotz des hohen außereuropäischen Marktanteils nimmt Europa eine nicht zu vernachlässigende Rolle in der Entwicklung und im Einsatz Humanoider Roboter ein. Ein starker europäischer Fokus liegt auf den ethischen, sicherheitsrelevanten und regulatorischen Aspekten beim Einsatz von KI und Humanoiden, um eine menschenzentrierte Automatisierung sicherzustellen [1]. Darüber hinaus gewinnen Normen zur Arbeits- und Cybersicherheit beim Einsatz Humanoider Roboter zunehmend an Bedeutung. Bspw. konnten Forschende relevante Sicherheitslücken beim kommerziellen Humanoiden der Firma Unitree aufzeigen, die den direkten unautorisierten Zugriff auf die Steuerung zulassen [12].
Das Interesse am Einsatz von Humanoiden Robotern in der deutschen Industrie ist ausgeprägt. Nach einer Umfrage des Fraunhofer IPA identifiziert ein Großteil von 113 befragten KMU und Großunternehmen mindestens ein Anwendungsfeld für Humanoide Roboter. 74 % der Befragten erwarten eine Marktreife innerhalb der nächsten drei bis zehn Jahre. Dabei liegt die Zahlungsbereitschaft mehrheitlich unter 100.000 € pro Humanoidem Roboter. Als Hürden werden in der Studie insbesondere rechtliche Fragestellungen und die physische Sicherheit der Beschäftigten genannt. Dazu wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten öffentliche Fördermittel zur Erprobung Humanoider Robotik. 57 % der Befragten geben außerdem einen teilweisen bis großen Einfluss der Akzeptanz der Belegschaft an [3].
Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation
Wie beschrieben, besteht das Potenzial Humanoider Roboter vor allem in der Automatisierung bestehender Betriebsstätten, sogenannten Brownfields [1]. Die menschenähnlichen kinematischen Fähigkeiten sowie die vielfältigen Möglichkeiten zum Training und zur Steuerung der Roboter erlauben einen vergleichsweise geringen Integrationsaufwand und einen flexiblen Einsatz. Dadurch eignen sich Humanoide neben dem Einsatz für repetitive, besonders belastende und gefährliche Aufgaben auch als Springer, welche je nach Bedarf (bspw. bei Personalausfällen oder schwankender Auslastung) an unterschiedlichen Stellen der Produktionskette eingesetzt werden können.
Zudem können Humanoide Roboter so eingesetzt werden, dass sie »eine effiziente Kombination aus menschlicher Expertise und robotischer Automatisierung ermöglich[en]« [4]. Bspw. könnten Fachkräfte Pressen umrüsten und vorbereiten und Humanoide Roboter anschließend die Produktionstätigkeit übernehmen. In Zukunft ist auch eine Realisierung menschloser (Nacht-)Schichten denkbar. Dementsprechend eröffnet der Einsatz Humanoider Roboter neue Möglichkeiten einer flexibleren Schichtplanung [4]. Durch das breite Anwendungsfeld in von menschlicher Arbeit dominierten Bereichen sind Humanoide als langfristiger Beitrag zur Senkung des Fachkräftebedarfs denkbar [4]. Humanoide Roboter haben somit das Potenzial dem zunehmenden Fachkräftemangel in Verbindung mit dem demographischen Wandel entgegenzuwirken [20].
Allgemein führen Automatisierungsprozesse zu einer Veränderung der Anforderungen an menschliche Arbeitskraft. Im Zuge vorangegangener Automatisierungsschritte wie der Digitalisierung ist eine Verschiebung der Arbeitskraft beobachtbar. Bisher lässt sich ähnliches bei neueren Entwicklungen wie KI oder Humanoiden Robotern beobachten. Da repetitive und körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden können, verschieben sich Arbeitsanforderungen in Bereiche, welche Abstraktionsvermögen, Kreativität und menschlichen Verstand benötigen [14]. Dementsprechend werden Fachkräfte einerseits zunehmend in indirekten Bereichen und im Dienstleistungsbereich eingesetzt, andererseits bei komplexeren Tätigkeiten in der Produktion. Dazu entstehen neue Kompetenzfelder, die das Aufgabenspektrum von qualifizierten Angestellten erweitern. Im Fall von Humanoiden Robotern entsteht vor allem ein Bedarf an Fachkräften mit technologischen Kompetenzen, die eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Informatik, Mechatronik und im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) ermöglichen. 35 % der von Fraunhofer befragten Unternehmen geben allerdings an, dass eine MRK mit Humanoiden Robotern bisher rechtlich schwierig umsetzbar ist [3]. 15 % der Befragten fordern zudem eine Überarbeitung der Maschinenrichtlinie. Bisher gibt es keine spezifischen Regelungen zur MRK mit Humanoiden Robotern. Der Einsatz muss im Einklang mit verschiedenen Normen (wie denen zur allgemeinen MRK oder zum Einsatz von KI) stehen.
Hinweise zur Umsetzung

Die Einführung Humanoider Roboter in der Industrie erfordert eine klare strategische Ausrichtung und eine sorgfältige Auswahl geeigneter Anwendungsfälle (vgl. Abschnitt Anwendungsfelder). Ziel ist es, Flexibilität zu erhöhen und Produktivität trotz Arbeitskräftemangels zu sichern [3]. Dabei erreichen Humanoide bisher meist nicht die Bewegungsgeschwindigkeit menschlicher Arbeitskräfte, sind jedoch nahezu ununterbrochen verfügbar [4]. Die Umsetzung erfolgt in der Praxis überwiegend über Pilotprojekte im Realbetrieb, die Zuverlässigkeit, Flexibilität und Integrationsfähigkeit prüfen. Eine schrittweise Skalierung und kontinuierliche Bewertung gelten als sinnvoller Weg in den Regelbetrieb [7]. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller meist hilfreich [22].
Die Anschaffungskosten sind stark von den Eigenschaften der Humanoiden abhängig, bspw. hat es einen erheblichen Einfluss, ob einfache Hände mit drei Fingern und wenigen Freiheitsgraden oder menschenähnliche Hände mit fünf Fingern, umfassenden Freiheitsgraden und umfangreicher Sensorik benötigt werden. Im Jahr 2024 konnte mit etwa 100.000 USD für ein Gesamtsystem gerechnet werden [17]. Es wird davon ausgegangen, dass sich dieser Betrag bis zum Jahr 2030 auf 55.000 USD verringern wird (siehe Abbildung 4).

Im Jahr 2025 kann eine Amortisationsdauer von 1,36 Jahren kalkuliert werden, wenn der Roboter 50 % der manuellen Tätigkeiten übernehmen und täglich 16 Stunden aktiv sein kann [7] (siehe Abbildung 5, darin wird vereinfachend angenommen, dass bei jedem Arbeitsschritt ein Profit von 1 € entsteht). Wenn man von sinkenden Beschaffungskosten und von 100 % menschenähnlicher Leistung ausgeht, wird für das Jahr 2030 eine Amortisationszeit von < 0,56 Jahren erwartet [17]. Wirtschaftlich sind neben Anschaffungskosten vor allem Betriebs- und Wartungskosten zu betrachten.
Neben den finanziellen Faktoren ist die Berücksichtigung von Arbeitssicherheit, Normung, IT-Sicherheit sowie die frühzeitige Einbindung der Beschäftigten ein zentraler Erfolgsfaktor [3]. Beschäftigte sollten im Umgang mit Humanoiden geschult werden; so kann auch Vorbehalten gegenüber dem Einsatz Humanoider begegnet werden. Studienergebnisse zeigen, dass dies gerade in KMU wichtig ist, da hier die Akzeptanz gegenüber KI und automatisierten Systemen oft geringer ausgeprägt ist und »Angst vor Arbeitsplatzverlust, Abhängigkeit von der Technik und eine stärkere Kontrolle durch die Technik« geäußert werden [16].
Fazit zum industriellen Einsatz Humanoider Roboter
Humanoide Robotik ist derzeit weniger als etablierte Produktionstechnologie zu bewerten, sondern vielmehr als Erwartungstechnologie, deren Einführung neben dem Verlauf der technischen Weiterentwicklung auch maßgeblich von organisatorischer Reife, Akzeptanzprozessen und begleitenden Qualifizierungsmaßnahmen abhängt [16]. So zeigen Studienergebnisse, dass viele Befragte Humanoiden Robotern zukünftig allgemein eine hohe Bedeutung beimessen, diese aber für ihr eigenes Unternehmen nicht sehen. Humanoide sind daher »für viele noch ein theoretisches Konzept ..., das im Alltag kaum präsent ist« [16].
Es besteht daher Bedarf nach angewandter Forschung zum Aufbau von Anwendungsszenarien für typische Einsatzbereiche, die es insbesondere KMU ermöglicht, Humanoide Robotik zu erleben, konkrete Einsatzmöglichkeiten für sich abzuleiten und das wirtschaftliche Potenzial zu nutzen.
Literatur
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[3] Schmidt S, Beck J, Höltge L, Huber A, Awad R (2025) Humanoide Roboter – Game Changer oder Irrweg? Fraunhofer- Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Forschung e. V. https://doi.org/10.24406/publica-4222
[4] Jeske T, Braun S, Harlacher M, Guth M (2025) Embodied AI: Einsatzpotentiale humanoider Roboter. PuR Personalpraxis + Recht (05):108-109
[5] Sapkota R, Cao Y, Roumeliotis K I, Karkee M (2025) Vision-Language-Action Models: Concepts, Progress, Applications and Challenges. arXiv (Cornell University). https://doi.org/10.48550/arxiv.2505.04769
[6] Kramer A (2026) Richtech Dex: mobiler humanoider Roboter für die Industrie. Heise Online. https://www.heise.de/news/Richtech-Dex-mobiler-humanoider-Roboter-fuer-die-Industrie-11130244.html. Abgerufen am 07.01.2026
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[12] Krempl, S. (2025). 39C3: Skynet Starter Kit – Forscher übernehmen humanoide Roboter per Funk und KI. Heise Online. https://www.heise.de/hintergrund/39C3-Skynet-Starter-Kit-Forscher-uebernehmen-humanoide-Roboter-per-Funk-und-KI-11125594.html. Abgerufen am 28.12.2025
[13] International Organization for Standardization (ISO) (2021) ISO 8373:2021. Robots and robotic devices – Vocabulary. Geneva: ISO.
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[15] BusAnthroInc. (2025). Form Follows Function: A Critical Examination of Anthropomorphic Robot Design. Business Anthro. https://www.businessanthropology.net/post/form-follows-function-a-critical-examination-of-anthropomorphic-robot-design
[16] Feggeler N, Harlacher M, Link J, Jeske T (2026). ifaa-Trendstudie: Zukunftstechnologien. ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Hrsg) https://www.arbeitswissenschaft.net/fileadmin/user_upload/ifaa_Trendstudie_Auswertung_Zukunftstechnologien_3.pdf
[17] Bock T (2025) 2025 Humanoid Robot Study – Market Development, Technological Maturity and Potential for Companies. Nexery/NexusSphere Advisory, März 2025.
[18] Sokolov D A (2026). Humanoide Roboter könnten in Airbus-Fabriken arbeiten. Heise Online. https://www.heise.de/news/Humanoide-Roboter-Airbus-Bestellung-befluegelt-UBTech-Aktie-11146753.html. Abgerufen am 20.01.2026
[19] NTT DATA (2026) Humanoide Roboter und autonome Fabriken: Wie zwei Megatrends die industrielle Fertigung bis 2030 neu definieren. NTT DATA Newsroom.
[20] Lennings F, Eisele O, Terstegen S, Cost Reyes C, Conrad R (2024) Den Fachkräftemangel als Chance begreifen und nutzen. Impulspapier des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Hrsg) https://www.arbeitswissenschaft.net/fileadmin/Downloads/Angebote_und_Produkte/Argumentationshilfenifaa_Impulspapier_Fachkraeftemangel_14-08-2024.pdf. Abgerufen am 22.01.2026.
[21] Humanoid Robots Complete Trial Project at BMW Assembly Plant. (2025). ASSEMBLY. https://www.assemblymag.com/articles/99678-humanoid-robots-complete-trial-project-at-bmw-assembly-plant. Abgerufen am 25.11.2025
[22] Bock T (2026) Humanoid Robot Study. Market Development, Technological Maturity And Potential For Companies. Nexery (Hrsg), München.
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