Die Zukunft der Arbeitswelt ist digital

Düsseldorf, 25.10.2018

Unter diesem Motto berichtet Sebastian Terstegen, Experte des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V., am 25. Oktober 2018 im CityCube Berlin beim DVGW-Kongress gat|wat 2018, dem zentralen Forum des deutschen Gas- und Wasserfachs, über aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung und Industrie 4.0. Dabei appelliert er: „Es wird Zeit, einen Realitäts- Check vorzunehmen.“

Spätestens seit der Hightechstrategie der Bundesregierung, die den Begriff „Industrie 4.0“ geprägt hat, hält die Digitalisierung Einzug in die Produktionsindustrie und verändert damit die Arbeitswelt. Gleichzeitig, doch oftmals weniger auffällig in der öffentlichen Wahrnehmung, vollzieht sich auch in der Energie- und Wasserwirtschaft eine digitale Transformation. Politik, Kommunen und Wirtschaft arbeiten intensiv an ihren Geschäftsmodellen und digitalen Arbeitssystemen. „Es wird Zeit, einen Realitäts-Check vorzunehmen“, appelliert Terstegen. Er richtet den Blick auf die Industrie 4.0 – der digitalen Transformation der Produktionsindustrie. „Als Arbeitsforscher des ifaa sehen wir täglich, welche innovativen Lösungen die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie auf ihrem Weg zur Industrie 4.0 finden, wie sie digitale Technik und Technologien in ihre Fertigungsprozesse integrieren. Mit einem Blick auf die Industrie 4.0, der Digitalisierung in der Produktion, möchten wir wichtige Impulse für die Debatte über den digitalen Wandel im Energie- und Wasserfach geben.“ Horizontale und vertikale Integration, digitales Engineering und cyber-physische Systeme sind Konzepte, die auch in der Energie- und Wasserwirtschaft funktionieren.

Die Stufen der Digitalisierung

Produktions- und Versorgungsunternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft werden dabei wie derzeit die Produktionsunternehmen der Metall- und Elektroindustrie die üblichen Stufen der Digitalisierung und Vernetzung durchlaufen. Zunächst wird flächendeckende Sensorik zu aktuellen, belastbaren Informationen über den Zustand des Produktions- oder Versorgungssystems in Echtzeit führen. Cyber-physische Systeme werden Menschen, Maschinen und Objekte miteinander vernetzen und eine Interaktion mit ihrer Umgebung ermöglichen. Cyber-physische Systeme erfassen Daten (Mustererkennung), verarbeiten Informationen (Assistenzsysteme) und interagieren über Mensch-Maschine-Schnittstellen. Die weitere Entwicklung erscheint visionär: künstlich intelligente Systeme finden eigenständig Entscheidungen ohne Einflussnahme von außen, zum Beispiel durch den Menschen. Doch wie realistisch diese Vision ist, kann jeder und jede schon heutzutage in seinem und ihrem Alltag sehen. In dieser Entwicklungsstufe können cyber-physische Systeme mithilfe künstlicher Intelligenz und semantischer Technologie Situationen dynamisch erkennen und bewerten und so ein System autonom steuern.

Die Rolle des Menschen

Welche Rolle spielt dann noch der Mensch, der Zerspanungsmechaniker beim Anlagenbauunternehmen, oder der Wasserbauer, die Industriemechanikerin im Pumpspeicherwerk, der gelernte Maurer, der beim Wasserwirtschaftsverband die Staumauer der Talsperre instand setzt? „Die wichtigsten arbeitspolitischen Themenfelder im Kontext der Digitalisierung stellen wir in unserer neuen Praxisbroschüre ‚Digitalisierung & Industrie 4.0 – Good-Practice-Ansätze zur erfolgreichen Umsetzung‘ dar. Die Broschüre gibt zudem Anregungen, wie ausgewählte Unternehmen mit Fragen der Digitalisierung und Industrie 4.0 umgegangen sind. An zahlreichen Praxisbeispielen wird deutlich, wie die Verantwortlichen passende technische Lösungen identifiziert haben, mit Herausforderungen bei der Umsetzung umgegangen sind und die Beschäftigten am Transformationsprozess beteiligt haben.“

https://www.arbeitswissenschaft.net/Broschuere_I40_2018

Individuelle Lösungen für die Unternehmen

Terstegen weiter: „Die Lösungen für die Unternehmen sind so individuell wie die Unternehmen selbst.“ Dennoch lassen sich universelle Gestaltungsebenen für eine moderne Arbeitswelt 4.0 ausmachen: Organisation, Kommunikation, Führung und Beschäftigte. Auf Ebene der Organisation gilt es, unternehmensspezifische Handlungsfelder zu identifizieren und Maßnahmen abzuleiten. Kommunikationsstrukturen und das Kommunikationsverhalten müssen gestaltet werden. Sowohl Führungskräfte als auch Beschäftigte müssen für Veränderungen in der Arbeitswelt 4.0 sensibilisiert und qualifiziert werden.

Was bedeutet Digitalisierung für die Kompetenzen von Führungskräften und Beschäftigten? „In einem aktuellen Forschungsprojekt sind wir genau dieser Frage nachgegangen. Zusammen mit Experten aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft haben wir herausgefunden, dass Selbstkompetenz für die Beschäftigten immer relevanter wird und auf Führungskräfte eine neue Führungsrolle zukommt“, kann Terstegen berichten. Beschäftigte müssen sowohl ein höheres Maß an Selbstständigkeit, Flexibilität und Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft zeigen als auch ihre Kommunikations- und Medienkompetenzen sowie die Fähigkeit zur Selbstorganisation weiterentwickeln. Die neue Führungsrolle zeichnet sich nicht durch Anwesenheit am Arbeitsplatz aus, sondern es zählt vor allem die Zielerreichung. Führungskräfte müssen als Coach zur Verfügung stehen, damit Beschäftigte selbständig und eigenverantwortlich arbeiten und Ziele erreichen können. Dazu gehört auch: „Loslassen“ und Beschäftigten Vertrauen entgegenbringen, „aus der Distanz“ unterstützend und gezielt eingreifen. Zudem wird die Vorbildfunktion der Führungskraft wichtiger.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Christine Molketin unter c.molketin(at)ifaa-mail.de.

Christine Molketin Mitarbeiterin Administration Public Relations Services ifaa

Christine Molketin M.A.

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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