Buchbesprechung
Morgen komm ich später rein - Für mehr Freiheit in der Festanstellung
Markus Albers, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 2008,
239 Seiten, ISBN 978-3-593-38652-2
Inhalt
„Zwischen 70.000 und 80.000 Stunden im Leben verbringt der Durchschnittsmensch am Schreibtisch. Mitten in der Wissensgesellschaft arbeiten wir mit Strukturen aus der Industriegesellschaft. Abgesessene Kernarbeitszeiten und exzessive Überstunden gelten als Beweis für echtes Engagement. Der volkswirtschaftliche Verlust durch Langeweile und Ineffizienz im Job ist enorm“. Dieser Klappentext fasst die Bestandsaufnahme für die meisten Büroarbeiter in Teil 1 des Buches zusammen. Täglich begeben wir uns in das Büro, um ungestört zu sein. Tatsächlich dauert es jedoch durchschnittlich nur 11 Minuten, bevor Anrufe, Mails oder Kollegen unsere Aufmerksamkeit von der aktuellen Aufgabe ablenken. Nach durchschnittlich 25 Minuten widmen wir uns wieder der alten Aufgabe, die inzwischen jedoch von neuen Aufgaben überlagert wurde (Untersuchung der University of California). Fahrten zum Büro und nach Hause sowie Kosten für Bürofläche belasten Mitarbeiter, Unternehmen und Umwelt. Fremdbestimmte Zeiteinteilung und sich ständig wiederholender Alltagstrott mindern Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Dass es anders geht und Arbeit auch außerhalb des Büros mit freier Zeiteinteilung effizient und erfolgreich bewältigt werden kann, belegt der Autor in Teil 2 des Buches an Beispielen, wie Google, 3M, Voith, IBM, SAP, Siemens, oder dem Wolfsburger Bürgerservice. Albers stellt Modelle der „Easy Economy“ mit ortsungebundener Arbeit vor, welche inzwischen - dank moderner Kommunikationstechnik - zuverlässig und bezahlbar sind.
Er beschreibt den Wechsel von der Ergebnis- zur Zeitorientierung verbunden mit klaren Zielvereinbarungen als Voraussetzung für den Einstieg in die Easy Economy. Auch mit deren potentiellen Gefahren setzt er sich auseinander, wie bspw. Selbstausbeutung, Kommunikationsdefiziten, Teamgeistverlust oder der Ausnutzung neuer Freiheiten durch unzuverlässige Mitarbeiter.
Der letzte Teil des Buches ist die „Anleitung zum Freisein in der Festanstellung“. Die meisten werden bei der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema feststellen: Schade, ausgerechnet bei mir und in meiner Abteilung geht das nicht. Leider kann Albers an dieser Stelle nur den Trost bieten, dies sei normal und dürfe niemanden abschrecken. Veränderung passiert nicht von selbst und nicht über Nacht.
Zielgruppe
Büroarbeiter, Vorgesetzte, Planungs- und Personalverantwortliche
Fazit
Der Autor ermuntert, umzudenken und den Zwang der Büropräsenz zu hinterfragen. Passenderweise hat er das Buch u. a. in Thailand, Ibiza und Bangkok geschrieben. Aus seiner Sicht steht der Weg zur Easy Economy fast allen Büromitarbeitern offen. Er führt zwar nicht jeden nach Thailand, aber bei genügend Durchhaltevermögen vielleicht zu einzelnen „bürofreien“ Arbeitstagen. Albers ist überzeugt, dass die unübersehbaren
Potentiale der Easy Economy nicht ungenutzt bleiben und unsere Arbeitswelt
unumkehrbar verändern werden.
Buchbesprechung von Dr.-Ing. Frank Lennings

