Fachveranstaltung Demografie

IfaA-Fachveranstaltung „Arbeits- und leistungsfähig bis 67 - Betriebliche Lösungsansätze“ am 13. Mai 2009 in Düsseldorf

Am 13. Mai 2009 führte das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. in Düsseldorf eine Fachveranstaltung zu dem Thema "Arbeits- und leistungsfähig bis 67 - Betriebliche Lösungsansätze" durch. Sie richtete sich an die Mitarbeiter in den Verbänden der M+E-Industrie und an Unternehmen.

Nach der Einführung durch den Direktor des IfaA, Dr. Sascha Stowasser, gaben vier Beiträge den Input für einen Erfahrungsaustausch der Teilnehmer und Referenten am Nachmittag:

  • Aspekte der Arbeits- und Leistungsfähigkeit
    Sibylle Adenauer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V.
  • Erfahrungen mit dem Work Ability Index (WAI) im Bereich Gesundheit der ThyssenKrupp Steel AG.
    Dr. Werner Mölders, Leitender Betriebsarzt, ThyssenKrupp Steel AG, Duisburg
  • Aktuelle Herausforderungen an das betriebliche Gesundheitsmanagement.
    Heinz Kowalski, Institutsdirektor und Geschäftsführer des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung, BGF, Köln
  • Vorausschauende Unternehmenspolitik, Prävention bei „wandernder Kohorte“. Markus Benkel, Ergonomiebeauftragter, Adam Opel GmbH, Werk Kaiserslautern

Viele Unternehmen stehen vor die Herausforderung, mit einer älter werdenden Belegschaft produktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben. Inwieweit Unternehmen die demografischen Herausforderungen - fehlende Nachwuchskräfte/älter werdende Belegschaften - aufgreifen (können), wird nicht zuletzt von der aktuellen Marktsituation eines Unternehmens (Stichwort: Kurzarbeit) bestimmt. Neben der betriebsspezifischen Ausgangslage ist eine differenzierte Betrachtung auch bei der Entwicklung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erforderlich. Sie wird von verschiedenen Faktoren, die sowohl dem Bereich der Arbeit wie dem persönlichen und privaten Bereich zuzuordnen sind, beeinflusst. Der Beschäftigte trägt Verantwortung für den Erhalt seiner (gesundheitlichen) Arbeits- und Leistungsfähigkeit.

Arbeitsfähigkeit kann „gemessen“ werden. Nach J. Ilmarinen beschreibt die  Arbeitsfähigkeit „das Potenzial eines Menschen, einer Frau oder eines Mannes, eine gegebene Aufgabe zu einem gegebenen Zeitpunkt zu bewältigen. Dabei muss die Entwicklung der individuellen funktionalen Kapazität ins Verhältnis gesetzt werden zur Arbeitsanforderung. Beide Größen können sich verändern…“. Der Work Ability Index (WAI) (bzw. Arbeitsfähigkeitsindex - ABI) ist ein subjektives Verfahren; anhand eines Fragebogens schätzt der Beschäftigte selber seine derzeitige und künftige Arbeitsfähigkeit ein. Ausgehend vom ermittelten Arbeitsfähigkeitsindex (einem Punktwert) kann der Betriebsarzt gemeinsam mit dem Beschäftigten konkrete Maßnahmen  (z. B. den Einsatz einer Hebehilfe, ein Programm zur Verbesserung der körperlichen Fitness) zum Erhalt, zur Wiederherstellung oder zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ableiten. Der WAI erfordert die unbedingte Einhaltung der entsprechenden Rahmenbedingungen: Anwendung nur durch den Betriebsarzt, bzw. den Werksärztlichen Dienst, Einhaltung des Datenschutzes, Freiwilligkeit seitens der Beschäftigten sowie Kommunikation und Transparenz über den Einsatz dieses Instruments.

Die Gesundheit der Beschäftigten ist ein unternehmerischer Produktivitätsfaktor und damit eine der tragenden Säulen für den Unternehmenserfolg. Die Säulen sind:

  • ein nachhaltig wirtschaftliches Unternehmen; es sichert Leistungsmöglichkeiten, Einkünfte und Arbeitsplätze,
  • Zufriedene Kunden; sie sichern den Absatz,
  • gesunde, motivierte und qualifizierte Beschäftigte; sie sichern die Leistungen für Innovation und Produktivität. Durch ein systematisches ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement zielen Unternehmen u. a. darauf ab, Kosten für krankheitsbedingte Fehlzeiten zu reduzieren und die Beschäftigten zu sensibilisieren sowie zu befähigen, Eigenverantwortung für den Erhalt ihrer (gesundheitlichen) Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu übernehmen.

Als Bestandteil einer vorausschauenden Unternehmenspolitik ist der Ergonomie-Prozess Opel ein ganzheitlicher Ansatz zur Prävention bei wandernder Kohorte. Am Anfang steht die Identifizierung von ergonomisch kritischen Arbeitsplätzen und Aufgaben unter Einbeziehung der Mitarbeiter vor Ort mittels eines Ergonomie- Analyseverfahrens. Nach Analyse und Bewertung umfassen Maßnahmen drei Detailbereiche:

  • den technischen Ansatz: die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze und der Arbeitsumgebung,
  • den organisatorischen Ansatz: Einsatz der Mitarbeiter, sowie
  • den präventiven Ansatz: Förderung von Verständnis und Fitness für Vorgesetzte und Mitarbeiter. Hierzu gehören u. a. die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiter in Ergonomiethemen, ebenso auch das „Programm 45 +“: die Qualifizierung von älteren Mitarbeitern hin zu Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft sowie Anpassungs- und Erhaltungsqualifizierungen.

Mehr Informationen dazu gibt Ihnen Frau Sibylle Adenauer.