Plötzlich Schichtarbeit in der Pandemiezeit: wie ist Schichtarbeit gesundheitsgerecht zu gestalten?

Aufgrund der Coronapandemie müssen zahlreiche Betriebe Schichtarbeit einführen. Auf der einen Seite kommt des Öfteren vor, dass Unternehmen, die normalerweise nicht im Schichtbetrieb arbeiten, vorübergehend oder für einen bestimmten Zeitraum Schichtarbeit einführen. So wird zum Beispiel in zahlreichen Behörden, Gesundheitsorganisationen und Betrieben in Schicht beziehungsweise auch samstags gearbeitet, um den Belangen der Bevölkerung und Kunden zu entsprechen. Auf der anderen Seite kann durch die zusätzliche Einführung von Schichten bei gleichzeitiger Absenkung der Anzahl der Anwesenden unter anderem die Mitarbeiteranzahl pro Schicht im Betrieb geringgehalten werden, um gewährleisten zu können, dass Abstandsregeln eingehalten werden. Dabei stellt sich für Betriebe und Beschäftigte die Frage, wie die Schichtarbeit gesundheitsgerecht zu gestalten ist. „Denn nur eine ergonomisch gestaltete Schichtarbeit minimiert die gesundheitlichen Risiken bei den Beschäftigten und ermöglicht einen bedarfsgerechten und reibungslosen betrieblichen Ablauf“, so Dr. Ufuk Altun, wissenschaftlicher Experte des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V.

Düsseldorf, 24.03.2021

Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse

Folglich sollte die Schichtarbeit ergonomisch und nach arbeitswissenschaftlichen Kriterien gestaltet sein.  Ausgehend von den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich folgende Empfehlungen formulieren:

  • Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten sollte möglichst gering sein.
  • Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase (arbeitsfreie Zeit) folgen.
  • Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Spätschichten sollte möglichst gering sein.
  • Einzelne Arbeitstage sowie einzelne freie Tage sollten vermieden werden.
  • Geblockte Freizeit am Wochenende ist besser als einzelne freie Tage am Wochenende.
  • Schichtpläne mit schnellem Vorwärtswechsel der Schichtarten bevorzugen.
  • Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen.
  • Die Massierung von Arbeit über größere Zeiträume, von Arbeitstagen hintereinander oder von Arbeitszeiten an einem Tag sollte begrenzt werden.
  • Schichtpläne sollten vorhersehbar und überschaubar sein.
  • Der Schichtplan sollte bei Bedarf Flexibilität für Beschäftigte vorsehen.

Wer in Schichten arbeitet, kann auch selbst für die eigene Gesundheit was tun

Auch Beschäftigte sollten ein besonderes Augenmerk auf ihre Gesundheit legen. Damit die Beschäftigten im Schichtdienst physisch leistungsfähig und psychisch gesund bleiben, ist für sie unter anderem eine gesunde und ausgewogene Ernährung, ein ruhiger und erholsamer Schlaf, viel Bewegung und Zeit für die Familie und privates Leben besonders wichtig. Weitere Empfehlungen für eine gesundheitsgerechte Schichtarbeit sind unter anderem:

  • Regelmäßige Schlaf- und Aufwachzeiten, um die biologischen Rhythmen des Körpers aufeinander abzustimmen.
  • Regelmäßige Essens- und Pausenzeiten während der Schichtarbeit.
  • Ruhige und schlaffördernde Gestaltung der Schlafumgebung.
  • Vermeidung vom hellen Licht, dies kann die innere Uhr umstellen.
  • Angenehme Temperaturen zwischen 16 – 18 ° Celsius und regelmäßige Lüftung des Schlafzimmers.
  • Kein Fernsehen, Computer, Tablets und Blaulicht im Schlafzimmer.
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee und Cola.
  • Bei schwerer körperlicher Arbeit ausreichende Kalorienaufnahme.
  • Zeit zum Abschalten. Um klare Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit zu ziehen, empfiehlt es sich auch vollständig von der Arbeit abzuschalten.
  • Vor und nach der Arbeit Spazierengehen. So kann der Stress durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft besser abgebaut werden. Zudem können Spaziergänge in hellen Tagesstunden, einem Bewegungsmangel entgegengenwirken.
  • Gemeinsame und regelmäßige Aktivitäten mit Familie und Freunde.

Christine Molketin M.A.

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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