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Crowdworking – Neue Arbeitsformen in der Produktionsindustrie

ZAHLEN | DATEN | FAKTEN

Unter dem Begriff Crowdworking, oder auch Clickworking oder Crowdsourcing, definiert man das Auslagern von Arbeit (Outsourcing) an eine unbestimmte Anzahl von Personen (Crowd). Es gibt verschiedene Varianten und unterschiedliche Arbeitsformen des Crowdworking:

  • Gegen Bezahlung (»paid«) oder unentgeltlich (»unpaid«, wie z. B. Wikipedia)
  • Vermittlung über eine Plattform (»indirect«) oder direkt zwischen Crowdworker und Crowdsourcer (»direct«)
  • Extern (über öffentlich zugängliche Plattformen) oder intern (Beschäftigte in einem Konzernunternehmen nehmen Aufträge über die Plattform des Konzerns an und arbeiten vorübergehend für ein anderes Konzernunternehmen)
  • Wettbewerbsbasierter Ansatz (Crowdworker stehen untereinander im Wettbewerb, nur der schnellste oder beste Crowdworker wird vergütet)
  • Zusammenarbeitsbasierter Ansatz (gemeinsames Finden von Lösungen)

Das ifaa-Faktenblatt informiert über Anwendungsfelder, Vorteile, Nachteile, Rechtliche Fragen sowie die Auswirkung auf die Arbeitsorganisation und gibt einen Ausblick und benennt Trends.

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Faktenblatt | 2 Seiten | PDF | 540 kB

Anwendungsfelder

Typische Crowdworking-Tätigkeiten sind sogenannte Human Intelligence Tasks. Das sind Aufgaben, die aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht von Maschinen durchgeführt werden können, z. B. Fotos von Sehenswürdigkeiten kategorisieren. Dies sind in der Regel Tätigkeiten, die keine besondere fachliche Qualifikation benötigen.

Auf der anderen Seite dieses Spektrums befinden sich Aufträge, die an besonders qualifizierte Fachkräfte vergeben werden, z. B. die Vermittlung von Experten mit Programmierkenntnissen.

Daneben wird Crowdworking häufig zum Outsourcen von Innovations-, Forschungs- und Entwicklungsprozessen genutzt. Ebenso fallen unter Crowdworking haushaltsnahe Dienstleistungen.

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Aktuelle Verbreitung von Crowdworking

Vorteile

Mittels Crowdworking verfügt ein Unternehmen über eine große Auswahl an Arbeitskräften mit unterschiedlichen Fähigkeiten.

Das Fachwissen der Crowdworker kann weltweit eingebunden werden.

Der Personaleinsatz ist sehr flexibel, z. B. kann zusätzliches Expertenwissen im Rahmen eines Projekts einbezogen werden.

Die Arbeitsleistung wird transparenter, wenn ein Bewertungssystem, das bei Plattformen Standard ist, verwendet wird.

Die Aufgabenabwicklung kann schneller erfolgen und erzielt meist qualitativ höherwertige Ergebnisse.

Nachteile

Die Anonymität kann zu weniger Loyalität der Crowdworker gegenüber dem Auftraggeber führen, als im Vergleich zu normalen Beschäftigungsverhältnissen.

Grundsätzlich bestehen bei Crowdworking die Risiken des Kompetenzverlusts und des Abflusses internen Wissens.

Zudem kann die Steuerung gerade kleinteiliger Crowd- Aktivitäten aufwändig werden.

Rechtliche Fragen

Bei Crowdworkern handelt es sich in der Regel um Selbstständige.

Bei externem Crowdworking besteht für den Arbeitgeber bzw. den Auftraggeber keine Fürsorgepflicht gegenüber den Crowdworkern. Es gilt das Vertragsrecht, und nicht das Arbeitsrecht.

Clickworker unterwerfen sich bei Benutzung einer ausländischen Plattform, wie z. B. Amazon Mechanical Turk in den USA, ausländischem (Vertrags-)Recht.

Auswirkung auf die Arbeitsorganisation

Arbeitsprozesse werden häufig in kleinere Arbeitspakete unterteilt. Daher ist eine präzise Projektdefinition und Aufgabenspezifikation des Crowdsourcers, d. h. des Auftragsgebers, notwendig.

Die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer erfolgt fast ausschließlich digital über eine Plattform.

Crowdworker können prinzipiell immer und überall ihrer Tätigkeit nachgehen – man spricht in diesem Zusammenhang von einer Internationalisierung des Arbeitsmarktes.

Ausblick und Trend

Durch den boomenden Arbeitsmarkt und steigende Qualifikationsniveaus (in Deutschland) sind die Voraussetzungen für die Ausbreitung von Crowdworking aktuell eher schlecht.

Dennoch nimmt die Bedeutung des Crowdworking in Zukunft zu, u. a. aufgrund der tendenziell steigenden Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, insbesondere im Dienstleistungs-, Kreativitäts- und Wissensarbeitsbereich.

Quellennachweise

Leitfaden BITKOM »Crowdsourcing für Unternehmen«

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2016) Foresight-Studie »Digitale Arbeitswelt«

BITKOM (Hrsg) (2014) Crowdsourcing für Unternehmen. www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Crowdsourcing-fuer-Unternehmen.html

Däubler W (2018) Digitalisierung und Arbeitsrecht. In: Recht Aktuell. Bund, Frankfurt

Köhler M (2017) Alternative Beschäftigungsformen am Beispiel Crowdworking. In: McKenzie B (2017) Arbeitswelt 4.0. Erich Schmidt, Berlin

Cernavin O, Stowasser S, Schröter W (Hrsg) (2018) Prävention 4.0. Springer, Wiesbaden

Wendland J (2018) Die zwei Seiten der modernen Arbeitswelt. VDI nachrichten 49:28–29

Schmitz W (2018) Crowdworking heizt die Konkurrenz an. VDI nachrichten 49:29

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