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Die Gestaltung der richtigen Vergütungshöhe bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Per­ sonalkostenstrukturen einerseits und einem möglichst hohen (finanziellen) Anreiz für Fach­ und Führungskräfte anderer­ seits. Um das richtige Personal, insbesondere in kritischen Bereichen, zu gewinnen und zu halten und gleichzeitig die Personalkosten nicht übermäßig zu strapazieren, helfen Vergütungsbenchmarks weiter. Was ist Benchmarking? Die Managementmethode »Benchmarking« beschreibt den kontinuierlichen Vergleich der eigenen Strategien, Geschäfts­ abläufe, Prozesse und Strukturen mit anderen Unternehmen, mit dem Ziel, die eigenen Stärken und Schwächen zu identifizieren (Feggeler 2012). Die Grundidee ist es, zu ermitteln welche Unterschiede zu anderen Unternehmen bestehen, warum sie bestehen und welche Möglichkeiten sie bieten, sich weiter­ zuentwickeln (Wübbenhorst 2018). Entscheidend seien hierbei insbesondere drei Fragen (Mertins et al. 2003): ■■ Was machen andere besser? ■■ Wie machen sie es besser? ■■ Was können wir daraus lernen? Damit fördert Benchmarking den Blick über die eigene System­ grenze hinaus und hilft, sich selbst aus einer »externen Pers­ pektive« zu betrachten. Wieso Benchmarking von Gehältern? Bei der Gestaltung der Vergütungsstrategie sind unterschiedliche Aspekte zu beachten, wie beispielsweise: ■■ betriebliche und tarifvertragliche Regelungen, ■■ das Anforderungsniveau der zu erledigenden Arbeitsaufgabe, ■■ die Kosten­ und Wettbewerbssituation des Unternehmens sowie ■■ die Angebots­ und Nachfragesituation am regionalen Arbeits­ markt. Insbesondere bei stark nachgefragten Positionen im Fach­ und Führungsbereich definiert der letztgenannte Punkt maßgeblich die Vergütungshöhe. Gleichzeitig ist der Zugang zu gerade diesen Daten, die sich außerhalb der oben angesprochenen Systemgrenze befinden, erschwert — und hier setzt das Benchmarking an. Es bietet Unternehmen eine Übersicht, wie sie ihre Beschäftigten im Vergleich zu anderen Unternehmen aus der Vergleichsgruppe bezahlen. Eine valide Datenbasis vorausgesetzt, unterstützen die Zahlen die Unternehmen dabei, ihre Vergütungsstrategie marktgerecht aufzustellen und somit Fach­ und Führungskräfte zu halten, ohne die Personalkosten aus dem Blick zu verlieren. Mit einem Anteil von rund 22 % am Gesamtumsatz (Gesamt­ metall 2018) stellen die Personalkosten einen wesentlichen Kostenfaktor für die Betriebe der Metall­ und Elektroindustrie dar, der somit auch die Wettbewerbsfähigkeit und den Gewinn der Unternehmen maßgeblich beeinflusst. Anbieter von Benchmarking-Studien Für das Benchmarking von Verdiensten können unterschiedliche Anbieter als Quelle herangezogen werden. Die Angebote unter­ scheiden sich in: ■■ Preis (kostenlose und kostenpflichtige Angebote) ■■ Datenmenge (Anzahl der Beschäftigten, deren Entgelte hinterlegt sind) ■■ Art der Datenerhebung (Selbstauskunft durch Beschäftigte oder Auskunft über Personalabteilung der Unternehmen) ■■ Art der Datenauswertung (Differenzierung hinsichtlich Region, Branche, Unternehmensgröße, …) ■■ Abgrenzung und Anzahl der Aufgaben ■■ Zielgruppe (Unternehmen, Privatpersonen, Sozial­/Volkswirtschaft) Zunächst kann auf kostenlose Daten der staatlichen Ämter (z. B. Bundesagentur für Arbeit, Statistische Ämter des Bundes und der Länder) zurückgegriffen werden. Die Datenmenge ist hier häufig sehr hoch, teilweise handelt es sich sogar um Vollerhebungen. Wichtig ist hierbei jedoch darauf zu achten, welche Daten tatsächlich erhoben und dargestellt werden (z. B. Brutto­ oder Nettoverdienste, Monats­ oder Jahresver­ dienste etc.), wie sie sich zusammensetzen und wie die Werte den Aufgaben zugeordnet wurden. Die Umfragen werden häufig als Grundlage für volkswirtschaftliche und sozioöknomische Analysen durchgeführt, weshalb bestimmte Zusatzinformationen, wie die geleistete Wochenarbeitszeit oder der Komplexitätsgrad der Aufgabe teilweise nicht miterhoben werden. Diese Infor­ mationen sind aber für die Definition der betrieblichen Entgelt­ höhe von wesentlicher Relevanz. Eine einfachere Alternative scheinen da die zahlreichen kosten­ losen Studien zu sein, die von diversen Online­Portalen durchge­ führt werden. Je nach Anbieter werden hier die Jahresverdienste bestimmter Berufe oder Berufsgruppen in bestimmten Regionen 1 von 3 Benchmarking und Entgeltvergleiche Zahlen | Daten | Fakten 7. Juli 2020 1 %0 Zahlen | Daten | Fakten | Benchmarking und Entgeltvergleiche und Branchen dargestellt. Diese Daten beruhen vielfach auf Selbsteinschätzung, das heißt es wurden zuvor Privatpersonen über Online­Umfragen nach einer Einordnung ihrer Aufgaben und ihrem Verdienst befragt. Dadurch wächst jedoch die Gefahr einer falschen Einschätzung hinsichtlich der Komplexität der eigenen Aufgaben und den gestellten Anforderungen, weshalb diese Vorgehensweise oftmals eine schlechtere Datenqualität zur Folge hat, als wenn beispielsweise die Personalabteilungen der Unternehmen befragt wurden. Die eigentlichen Zielgruppen sind hierbei meist Arbeitnehmer, die ihre eigene Position in Bezug zu anderen Beschäftigten feststellen möchten. Trotz allem können auch diese Daten häufig für eine erste Einordnung helfen. Insbesondere wenn Erfahrungswerte fehlen, bei neuen oder besonders kritischen Positionen, greifen Unter­ nehmen häufig auf kostenpflichtige Angebote der Unterneh­ mensberatungen zurück. Diese bieten eine große Bandbreite an branchen­ und aufgabenbezogenen Vergütungsreports an, in denen Verdienste teilweise sehr differenziert nach Grund­, variabler und nicht monetärer Vergütung aufgeschlüsselt sind. Auch eine Beschreibung der Tätigkeiten, die sich hinter der Job­Bezeichnung verbergen, der übliche Ausbildungsabschluss und die Berufserfahrung sind hinterlegt, was eine genaue Zuordnung erleichtert. Betrachtete Arbeitsaufgaben sind Fach­ und Führungskräfte, häufig auch im internationalen Kontext. Allerdings sind hier die Kosten zu beachten, die sich je nach Anbieter und Datenlage im vierstelligen Bereich befinden können. Darüber hinaus ist der Zugang zu den Daten (z. B. über Online­Datenbanken) teilweise nur für Teilnehmer des Benchmarks möglich. Vergütungsbenchmarks der Verbände der Metall- und Elektroindustrie Die Arbeitgeberverbände der Metall­ und Elektroindustrie bieten bereits seit vielen Jahren in Kooperation mit dem ifaa — Institut für angewandte Arbeitswissenschaft branchen­ und regionenspe­ zifische Vergütungsbenchmarks an. Diese sind für Mitgliedsunter­ nehmen kostenlos und bieten den Teilnehmern einen Vergleich. Wesentliche Punkte für ein qualitatives Benchmarking sind hier gewährleistet: ■■ definierte Arbeitsaufgaben (56 Aufgaben bundesweit definiert und zusätzlich regionale Auswahl) ■■ Beschreibung der Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten zur eindeu­ tigen Einordnung (Kurz­ und Detailbeschreibung der Aufgaben) ■■ Auswertung hinsichtlich Region, Betriebsgröße, Branche ■■ hohe Teilnehmerzahl, breite Datenbasis ■■ langjährige Durchführung, Längsschnittauswertungen möglich ■■ keine Selbsteinschätzung, daher höhere Validität der Daten ■■ zusätzliche Prüfung der Daten durch Verbände ■■ unternehmensspezifische Auswertung (kein »Standardbericht«) Anbieter Staatliche (Statistik-) Ämter Online- Plattformen Unternehmens- beratungen Datenerhebung Auskunft durch Arbeitgeber Auskunft durch Beschäftigte Auskunft durch Arbeitgeber Datenmenge meist großer Datenumfang, teilw. Voller hebung (z. B. bei Meldeverfahren zur Sozialver sicherung) unterschiedlich, meist aber relativ gering unterschiedlich Datenaus- wertung (meist grobe) Clusterung nach Berufsgattungen oder ­gruppen Fokus auf bestimmte Berufe differenzierte Auswertung nach Regionen, Branchen, Komplexitätsgrad; Beschreibung der Arbeitsaufgaben Zielgruppe, Zielsetzung Erfassung von übergreifenden Verdiensten und Verdiensstrukturen, volkswirtschaftli­ che und sozioök­ nomische Analysen Vergleichsdaten/ Benchmarking für Beschäftigte Vergleichsdaten/ Benchmarking für Arbeitgeber Kosten kostenlos kostenlos kostenpflichtig 7. Juli 2020 2 von 3 01 Finanz- und Rechnungswesen 02 Materialwesen 03 Personalwesen 04 Informationsverarbeitung und Organisation 05 Dienstleistungen 06 Forschung und Entwicklung 07 Vertrieb 08 Produktion Gesamter Betrieb -3,1 % � � � � � � � � � 348 +2,8 % +0,1 % -12,7 % +1,8 % Abweichung der betrieblichen Entgelte zur [Region] Betrieblicher Funktionsbereich Erfasste Be- schäftigte in Ihrem Betrieb 12 -13,4 % +5,6 % 45 5 10 67 +10,6 % -3,2 % 527 Jahresentgelte 20xx Datenbasis: xxxxxxxxx 20xx-[Unternehmen] Abb.: xx Führungsaufgaben Abteilungs-/Bereichsleiter Teamleitung, Vorarbeiter Fach- und Sachaufgaben Höchstes Ingenieur-/Betriebswirtsniveau Gängiges Ingenieur-/Betriebswirtsnivea u Spezielle Fach-/Sacharbeit Schwierige Fach-/Sacharbeit Gängige Fach-/Sacharbeit Anlernaufgaben Anlernaufgaben Bereich mit 50 % der Nennungen Ihr Betrieb Median alle Betriebe 8 38 257 7 43 103 18 7 6 44 5715 52 968 505 4 57 1313 64 154 309 3 2 53 284 alle Betriebe Ihr Betrieb M ed ia n [€ ] An za hl e rf as st e Be sc hä ft ig te An za hl B et ri eb e M ed ia n [€ ] An za hl e rf as st e Be sc hä ft ig te 1 63 727 11 688 6 669 11 414 4 194 632 4 418 1 923 1 829 146 234 257 152 165 151 109 142 113 140 38 505 43 427 60 590 61 138 63 514 68 813 80 442 20 0 00 30 0 00 40 0 00 50 0 00 60 0 00 70 0 00 80 0 00 € Jahresentgelte 201x Datenbasis: Verband 2018-MUSTER-[Mitgl.-Nr.]-[Branche]-[Betriebsgröße] Abb.: 0000 Materialwesen Einkaufssachbearbeiter/-in Einkäufer/-in Leiten des Einkaufes Produktion planen und steuern Lagerist/-in Lagerfachkraft Lagerverwalter/-in Median alle Betriebe tarifliche Jahresentgelte Ihr Betrieb € Median [€][€] Jahresentgelte tatsächlich 43 398 43 263 57 343 68 678 36 079 37 060 55 554 51 309 54 598 68 994 38 399 56 019 40 153 37 750 62 232 74 276 34 531 35 740 55 008 Tarifgebiet tariflich alle Betriebe Ihr Betrieb 20 0 00 80 0 00 70 0 00 60 0 00 50 0 00 40 0 00 30 0 00 Tab. 1: Exemplarische Gliederung unterschiedlicher Anbieter von Vergütungsbenchmarks Abb. 1: Beispiele unterschiedlicher Auswertungen LITERATUR Feggeler, A (2012) Benchmarking — Ziele, Formen und Nutzen für Unternehmen. Betriebspraxis & Arbeitsforschung (214):50­52 Gesamtmetall (Hrsg) (2018) Die Metall­ und Elektro­Industrie in der Bundesrepublik Deutschland in Zahlen. Ausgabe 2018. IW Medien, Köln, Berlin Mertins K, Kohl H, Görmer M (2003) Grundlagen des Benchmarking. In: Fraunhofer IPK (Hrsg) Benchmarking 2003 — Benchmarking für den Mittelstand. Tagungsband der Veranstaltung am 30.­31. Januar 2003. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart Wübbenhorst K (2018) Benchmarking. Gabler­Wirtschaftslexikon. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/benchmarking­29988/ version­253582, abgerufen am 22.04.2020 3 von 3 ifaa — Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. Uerdinger Straße 56, 40474 Düsseldorf Telefon: 0211 54 22 63­0 Fax: 0211 54 22 63­37 E­Mail: info@ifaa­mail.de www.arbeitswissenschaft.net Dipl.-Ing. Andreas Feggeler Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachbereich Arbeitszeit und Vergütung Telefon: 0211 542263­23 E­Mail: a.feggeler@ifaa­mail.de Ansprechpartner Amelia Koczy, M. Sc. Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachbereich Arbeitszeit und Vergütung Telefon: 0211 542263­12 E­Mail: a.koczy@ifaa­mail.de Zahlen | Daten | Fakten | Benchmarking und Entgeltvergleiche 7. Juli 2020 https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/benchmarking-29988/version-253582 https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/benchmarking-29988/version-253582 mailto:info%40ifaa-mail.de?subject= www.arbeitswissenschaft.net