Buchbesprechung
Ute Clement und Michael Lacher:
Produktionssysteme und Kompetenzerwerb
Zu den Veränderungen moderner Arbeitsorganisation und ihren Auswirkungen auf die berufliche Bildung Ganzheitliche Produktionssysteme werden in der Arbeitswissenschaft ausführlich diskutiert, in der Berufspädagogik jedoch nur am Rande wahrgenommen.
Dabei stellen Produktionssysteme an die Beschäftigten, seien es nun Maschinenbediener oder Ingenieure, durchaus spezifische Anforderungen. Dem widmet sich der hier vorgestellte Band, dessen Kernthese lautet: "Die durch Technisierung und neue Formen der Arbeitsorganisation [in Produktionssystemen] entstandene Heterogenisierung der Arbeitsverhältnisse in ganzheitlich angelegte, mit hohen Problemlöseanforderungen ausgestattete Arbeitsplätze einerseits und Arbeitsplätze mit begrenzten Qualifikationsanforderungen andererseits, hat je nach Wirtschaftsbereich und Tätigkeitsfeld unterschiedliche Ausprägungen, ist aber durchgängig feststellbar." (S. 9)
Ist für die Arbeit in Produktionssystemen die klassische Facharbeiterausbildung die angemessene Basis? Wie stellen sich die neu geordneten Berufsausbildungen hierzu? Welche Konzeptionen und Erfahrungen liegen in der Fort- und Weiterbildung im Kontext von Produktionssystemen vor? Solchen Fragen haben sich die Autoren und Herausgeber im vorliegenden Band gestellt, beispielhaft seien einige Beiträge herausgegriffen: Ulrich Jürgens stellt die deutsche Diskussion von Produktionssystemen in einen weltweiten Kontext und vergleicht die Ansätze verschiedener Weltregionen. Gunter Lay stellt die Konzepte "Ganzheitliche Produktionssysteme" und "Gruppenarbeit" gegeneinander und eröffnet bereits hier die Diskussion über jeweils notwendige Qualifizierungsstandards. Peter Röben stellt Ansätze zur beruflichen Weiterbildung im Kontext einfacher Arbeit vor und bezieht dabei Erfahrungen aus dem Projekt "WAP - Weiterbildung im Prozess der Arbeit", den die von den Sozialpartnern getragene Agentur Q in der Baden-Württembergischen Metall- und Elektroindustrie realisiert. In einem abschließenden Beitrag resümieren die Herausgeber die Diskussion in Thesen, deren letzte beiden lauten: "Die Einführung ganzheitlicher Produktionssysteme bringt einen neuen Typus qualifizierter Arbeit hervor, dem die Facharbeiterausbildung nicht gerecht wird. Die Berufsbildungspolitik in Deutschland reagierte bislang nicht angemessen auf die genannten Arbeitsorganisatorischen Veränderungen."
(S. 198 und S. 201) Doch was eine angemessene bildungspolitische Reaktion auf die Verbreitung ganzheitlicher Produktionssysteme ist, das bedarf noch der weiteren Diskussion und vor allem der Erprobung diesen Produktionssystemen angepasster Aus- und Fortbildungsangebote.
Der vorliegende Band stellt eine wichtige Diskussion aktueller Arbeits- und Berufsbildungspolitik vor, bei der allgemein akzeptierte Antworten sicherlich noch nicht gegeben werden können. Ute Clement und Michael Lacher (Hrsg.) 2006: Produktionssysteme und Kompetenzerwerb. Zu den Veränderungen moderner Arbeitsorganisation und ihren Auswirkungen auf die berufliche Bildung. Stuttgart (Franz Steiner Verlag), 207 Seiten, 37,00 €

